Zuhälterei mit minderjährigen Jungen? Durchsuchung bei mutmaßlichem NSU-Helfer Tino Brandt

Erfurt. Der frühere Chef des rechtsextremen Thüringer Heimatschutzes und mutmaßliche NSU-Helfer Tino Brandt soll in großem Stil Zuhälterei betrieben haben. Nach Informationen der Thüringer Allgemeinen besteht der Verdacht, dass er mehrere, zum Teil minderjährige Jungen und Männern an Freier vermittelte. Zudem soll er für sie eigens Wohnungen im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt bereit gestellt haben.

Schon im März 2012 wurde das Haus des früheren Neonazis Tino Brandt durchsucht. Archiv-Foto: Marco Kneise

Schon im März 2012 wurde das Haus des früheren Neonazis Tino Brandt durchsucht. Archiv-Foto: Marco Kneise

Foto: zgt

Die Staatsanwaltschaft Gera teilte am Donnerstag auf Anfrage unserer Zeitung mit, dass gegen Brandt ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Zuhälterei laufe. Zugleich bestätigte sie, dass in diesem Zusammenhang bereits am Mittwoch die Rudolstädter Wohnung Brandt durchsucht wurde. Weitere Details wollte der Leitende Oberstaatsanwalt Thomas Villwock nicht nennen.

Nach Informationen der "Thüringer Allgemeinen" wurden auch die Wohnungen von mindestens fünf Jugendlichen und Männern durchsucht, die sich im Auftrag von Brandt prostituiert haben sollen. Wie die Zeitung zudem berichtet, gehen die Ermittler davon aus, dass die Geschäftsanbahnung per Internet in sozialen Netzwerken stattfand.

Der neue Verdacht gegen Brandt ergab sich während der Betrugsermittlungen, die schon seit mehr als zwei Jahren gegen ihn und 12 weitere Beschuldigte laufen. Im März 2012 war deshalb sein Haus schon einmal untersucht worden. Gleichzeitig fand damals eine Razzia bei dem früheren Neonazi Thomas Dienel in Leipzig statt. Die beiden Männer sollen einer Betrügerbande angehört haben, die angeblich Versicherungen um mehr als einer Million Euro schädigten. Bei den Durchsuchungen wurden auch Waffen gefunden, darunter eine Machete, ein japanisches Schwert und eine Armbrust sowie Streitäxte und Schreckschusspistolen.

Brandt hatte in den 1990er Jahren den "Thüringer Heimatschutz" geführt, dem auch die mutmaßlichen Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe angehörten. Nach der Flucht des Trios Anfang 1998 beteiligte er sich an der Unterstützung des späteren "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU). Gleichzeitig arbeitete Brandt als V-Mann für das Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz. Die rund 100000 Euro, die er über die Jahre für seine Spitzeldienste erhielt, benutzte er nach eigenen Angaben zur Finanzierung der rechtsextremen Szene. Nach seiner Enttarnung im Jahr 2001 trat er von seinem Amt als stellvertretender Landesvorsitzender der Thüringer NPD zurück.

Der 39-jährige, der sich immer noch öffentlich zur nationalsozialistischen Ideologie bekennt, gilt als wichtiger Zeuge im NSU-Prozess. Das Münchner Oberlandesgericht hat für seine Vernehmung Mitte Juli drei Verhandlungstage reserviert. Einer früheren Ladung hatte sich Brandt durch ein ärztliches Attest kurzfristig entzogen.

Szenen einer Razzia in Rudolstadt

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