ARD verfilmt Verbrechen des NSU

Erfurt. Ein Film-Projekt der ARD versteht sich als erster ernsthafter Versuch, sich auf fiktionaler Ebene mit Jenaer Terror-Trio auseinanderzusetzen.

Eine Kombo aus Reproduktionen der Ostthüringer Zeitung aus dem Jahr 1998 zeigt Fahndungsbilder von Beate Zschäpe (v.l.), Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos.

Eine Kombo aus Reproduktionen der Ostthüringer Zeitung aus dem Jahr 1998 zeigt Fahndungsbilder von Beate Zschäpe (v.l.), Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos.

Foto: zgt

Die ARD wagt sich an die Verfilmung der Geschichte des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) und holt dafür große Namen ins Boot. Nach Medienberichten werden der ehemalige "Spiegel"-Chefredakteur, Stefan Aust, und die Filmemacherin Gabriela Sperl die Mordserie des NSU verfilmen. Im Verdacht, zehn Morde in den Jahren 2000 bis 2007 begangen zu haben, stehen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Der in München vor Gericht stehenden Beate Zschäpe wird Mittäterschaft vorgeworfen.

Sperl und ihre Münchner Produktionsfirma Sperl Productions sind im deutschen Filmgeschäft alles andere als Unbekannte. Unter den zahlreichen Filmen, bei denen die promovierte Historikerin für das Drehbuch oder die Produktion verantwortlich zeichnete, sind Streifen wie "Stauffenberg" (2004), "Nicht alle waren Mörder" (2006), "Mogadishu" (2008) oder "Operation Zucker" (2012).

Über die filmische Darstellung des NSU sagte Sperl, es sei möglich und nötig, die Geschichte von ihren Anfängen bis zum zurzeit in München gegen Beate Zschäpe laufenden Gerichtsprozess aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten.

Geplant sind drei Fernsehfilm-Teile, in denen drei Regisseure und drei Drehbuchautoren die Perspektiven der Täter, Opfer, Geheimdienste und Polizei aufarbeiten. Schauspieler wurden noch nicht benannt.

Ausgestrahlt werden die Filme in der ARD. Beteiligt sind der Bayerische Rundfunk, der Südwestrundfunk, der Westdeutsche Rundfunk und die Degeto-Filmproduktion.

ARD dreht Film über NSU-Morde aus drei Perspektiven

Im deutschen Fernsehen hat man Erfahrung mit der Verfilmung dramatischer Stoffe aus Gegenwart und jüngerer Vergangenheit. Ob RAF, Olympia 1972 oder Affären wie die um Uwe Barschel, den Kanzler-Spion Günther Guillaume oder die gerade aktuelle Verfilmung des Absturzes von Christian Wulff - bislang hat man dabei die Mischung von Fakten und Fiktion nicht gescheut.

Ob und wie das allerdings bei der jetzt angekündigten Verfilmung der Geschichte des Jeaner Terror-Trios gelingen wird, wird eine der großen Herausforderungen für den Ex-Spiegel-Journalisten Stefan Aust und die Produzentin Gabriela Sperl, die Macher der NSU-Triologie .

Nach diversen Medieninformationen steht bisher nur fest, dass drei Regisseure die Geschichte aus drei Perspektiven erzählen werden - Christian Schwochow schildert das Täter-Umfeld, Züli Aldag die Sicht der Opfer. Und David Wendt begibt sich ins Gestrüpp der überforderten Polizei und Geheimdienste. Jeder Filmteil hat seinen eigenen Drehbuchautor.

Viele Fragen sind noch unbeantwortet: Auf welcher Fakten-Grundlage wird der Film entstehen? In welchem Verhältnis werden Fakten und Fiktion zueinander stehen? Und warum ist der Mitteldeutsche Rundfunk nicht beteiligt? Die ARD geht ein Wagnis ein - und sie weiß es.

Alle Infos zum NSU-Prozess in München

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