Berlin bekommt "Boulevard der Stars" nach Hollywood-Vorbild

Die hiesigen Film- und Fernsehschaffenden bekommen jetzt in Berlin in etwa das, was in Hollywood "Walk of Fame" heißt.

Berlin. Nachdem bereits der erste Stern in der Potsdamer Straße für Marlene Dietrich verlegt wurde, gab nun die Jury die nächsten 39 Persönlichkeiten bekannt, die ab dem 10. September diesen Ehrenhain zieren werden.

Die hochkarätig besetzte Jury gab sich ziemlich erschöpft nach der Arbeit. 17 Verbände und Institutionen hatte sie mit Vorschlägen gefüttert. Gesetzt war nur Max Skladanowski, Erfinder des Films überhaupt.

Einen der ersten Sterne wird auch eine gebürtige Thüringerin erhalten. Die Schauspielerin Corinna Harfouch erblickte das Licht der Welt in Suhl.

Wie stolz die noch lebenden Ausgezeichneten sind, bewies Hollywood-Regisseur Wolfgang Petersen. Er sagte sofort alle Drehtermine rund um den Auszeichnungstag ab. Zu den Geehrten gehören die Regisseure Doris Dörrie, Rainer Maria Fassbinder, Fritz Lang, Wim Wenders und Werner Herzog.

Die Jury selbst wies darauf hin, dass der erste bundesdeutsche Oscarpreisträger, Volker Schlöndorff, genauso fehlt wie Regielegende Ernst Lubitsch. Aber der Boulevard soll jedes Jahr im September um jeweils weitere zehn Sterne wachsen.

Die Geehrten wurden nicht nach einem festen Proporz ausgewählt. Aber es sollte doch eine faire Mischung aus Frauen und Männern, zwischen Ost und West entstehen. So finden sich auch Künstler wieder, die ihre größten Erfolge in Potsdam-Babelsberg und Berlin-Adlershof feierten.

Dabei sind der Regisseur Konrad Wolf und der Autor Wolfgang Kohlhaase. Eine Verbeugung vor ihrer ungeheuren Popularität dürfte die Auswahl von Helga "Henne" Hahnemann sein. Mit Angelica Domröse wird einer der wichtigsten DEFA-Stars vertreten sein.

Bei dem Ostmonopolisten begann auch Armin-Mueller-Stahl seine Karriere, um sie dann in Hollywood grandios fortzusetzen. Zu den geehrten Schauspielern gehören auch die Altmeister Mario Adorf, Götz George und Bruno Ganz. Bei den Damen sind es Hildegard Knef, Asta Nielsen, Romy Schneider und Hanna Schygulla. Für Künstler, die von den Nazis ins Exil getrieben wurden, steht Billy Wilder.

Die Organisatoren des Boulevards der Stars legen Wert darauf, dass alle Gewerke von Film und Fernsehen ihre Würdigung erfahren. So finden sich auch Produzent Artur Brauner, Kostümbildnerin Barbara Baum, Komponist Klaus Doldinger und Cutter Peter Prygodda sowie Filmarchitekt Jan Schlubach wieder.

Einer lässt sich schwer einordnen, denn er war Autor, Regisseur und Hauptdarsteller oft in einem: Vicco von Bülow, genannt Loriot.