Karnevalist aus Effelder schlüpft in neue Rolle

Effelder.  Von Cindy aus Marzahn und Karl-Heinz bis zu Hildegard: Jens Hoppe aus Effelder ist Karnevalist durch und durch und nun auf „Indoor Woman Tour“.

Jens Hoppe aus Effelder schlüpft zur Karnevalszeit immer wieder in neue Rollen. In diesem Jahr ist er als Gisela auf „Indoor Woman Tour" durch das Eichsfeld.

Jens Hoppe aus Effelder schlüpft zur Karnevalszeit immer wieder in neue Rollen. In diesem Jahr ist er als Gisela auf „Indoor Woman Tour" durch das Eichsfeld.

Foto: Jens Hoppe

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Angefangen hat alles mit der Cindy aus Marzahn. Also der Rolle, mit der Ilka Bessin aus Berlin berühmt geworden ist. Und berühmt ist mittlerweile gewissermaßen auch Jens Hoppe aus Effelder, zumindest in Faschingskreisen, denn er tritt nicht nur auf Eichsfelder Bühnen auf, sondern war schon mehrere Male im Fernsehen zu sehen.

Ein Faschingsfan war Jens Hoppe schon immer und irgendwie war er auch stets im örtlichen Programm vertreten. 2009 kam es dann zum ersten Soloauftritt. „Ich habe den Text von Cindy auswendig gelernt und abgespult.“ Und das kam so gut an, dass sich Jens Hoppe bald eigene Charaktere ausdachte. Los ging es mit Horst Grabowski, einem Alleinunterhalter, der auf die schnelle einspringen musste, weil der eigentliche abgesagt hatte. Dann kam Udo May, der Ururenkel von Karl May, der in die Politik gehen wollte und die Partei „Thüringer Schwarzfußindianer“ gründete und dann verwandelte sich Jens Hoppe erstmals in Karl-Heinz.

Figur stockt mit Kiosk auf dem Rollator die Rente auf

Der ist ein 63-jähriger Rentner, der den Hals voll hat von Ungerechtigkeit. Um seine schmale Rente aufzubessern, funktioniert er seinen Rollator kurzerhand zum mobilen Kiosk um und spricht auf der Bühne über sein Rentendasein, seine Frau Hildegard und seinen Sohn Klaus-Dieter, der immer noch zu Hause wohnt.

Die damalige Präsidentin des Effelderschen Faschingsvereins, Daniela Hoppe, mit der Jens Hoppe aber gar nicht verwandt ist, ging dann einen Schritt weiter und meldete ihn bei der MDR-Sendung „Herrlich Närrisches Thüringen“ an. 2012 hatte Jens Hoppe dort seinen ersten Auftritt. Ein großer Unterschied zu dem Saal in Effelder war das allemal. 2500 Leute saßen in der Erfurter Messehalle in Publikum. „Das ist, als ob du von der Wilhelmstraße auf den Mond geschossen wirst. Eine komplett andere Welt.“

Vier Jahre im Fernsehen zu sehen

„Ich schaute mir die Leute von hinter der Bühne aus an und dachte: Bist du verrückt?! Dann bin ich raus, habe 27 Minuten durchgeredet und hatte keinen einzigen Texthänger. Da war ich ein bisschen stolz“, erinnert sich Jens Hoppe. Vier Jahre in Folge wurde er wieder eingeladen und brachte zum Beispiel auch Katrin Göring-Eckardt von den Grünen und den Ministerpräsidenten Bodo Ramelow zum Lachen.

„Und dann kam der WDR“, sagt Jens Hoppe. Also ging es zur Fernsehaufzeichnung nach Köln, wo er unter anderem auf Moderator und Karnevalist Bernd Stelter und auf die Kölner Mundart-Musikgruppe Bläck Fööss traf. Auch auf den Rennsteig ging es zur TV-Aufzeichnung des Suhler CCS, zum Medienkarneval in der Thüringenhalle Erfurt und im vergangenen Jahr mit dem Landesverband Thüringer Karneval zum Auftritt nach Berlin in der Thüringer Landesvertretung.

Jetzt kommt Hildegard in Faltenrock und Blümchenbluse

Karl-Heinz hat nun also schon ganz schön viel Aufmerksamkeit bekommen. Deshalb ist in diesem Jahr seine Frau an der Reihe und Karl-Heinz bleibt zu Hause. Jens Hoppe geht als Hildegard in Faltenrock, Blümchenbluse und schwarzer Lockenperücke auf „Indoor Woman Tour“ und erzählt mal aus einer anderen Perspektive.

Und zwar zum Beispiel über die Probleme einer Hausfrau. Hildegard hat mit ihrer Freundin Gisela auch „Friday for Hausarbeit“ gegründet, aber leider taucht zu den Veranstaltungen niemand auf. Außerdem hat Hildegard ein Lied aufgenommen. Dazu war Jens Hoppe in voller Montur in einem Tonstudio in Braunschweig und sang das Lied „Dicke Da“ von Entertainerin Helga Hahnemann ein. Das darf beim Auftritt natürlich auch nicht fehlen.

Gagen werden an Kinderhospiz gespendet

Die Gagen für seine Auftritte behält Jens Hoppe dabei keineswegs selbst, sondern spendet die Einnahmen stets an Kinderhospiz Mitteldeutschland nach Tambach-Dietharz. Und auch sonst engagiert er sich – und zwar für den Nachwuchs im Faschingsbusiness. So war er im vergangenen Jahr zum ersten Mal Teil der Jury beim Bund Deutscher Karnevalisten Jugend für den Wettbewerb „Jugend in die Bütt“. „Dort herrscht ein sehr hohes Niveau“, sagt Jens Hoppe anerkennend und freut sich darauf, auch in diesem Jahr wieder als Juror tätig sein zu dürfen. „Dieter Bohlen für Arme sozusagen.“

Verschiedene Programme sind immer selbst geschrieben

Sein Programm schreibt der 46-jährige Familienvater selbst. „Ich mache mir immer wieder Stichpunkte oder spreche etwas auf das Diktiergerät. Dann schreibe ich den Text und lerne ihn auswendig.“ Zwei bis drei Wochen vor dem ersten Auftritt geht es dann ans Eingemachte. Der Text muss ja sitzen. „Das meiste hat man aber eh im Kopf vom Schreiben.“
Dass seine Rollen so erfolgreich geworden sind, hätte sich Jens Hoppe nie träumen lassen. „Nach Cindy wurde es irgendwie ernst, aber ja auch trotzdem lustig natürlich.“ Seine Familie steht komplett hinter ihm, reist genauso wie die Freunde mit zu den Auftritten. Und auch vom heimatlichen Verein bekommt er viel Unterstützung, für die er sehr dankbar ist.

Die Tourdaten im Einzelnen

Am 11. November hat Jens Hoppe alias Hildegard seine Tour in Effelder gestartet. Nun geht es am 18. Januar nach Geisleden, am 31. Januar in den Kaisersaal nach Erfurt zur Prunksitzung der Gemeinschaft Erfurter Karneval, am 1. Februar ist er in Diedorf zu sehen, am 8. und 22. Februar in Wilbich, an diesem Abend auch in Struth und am 24. Februar im DasDie Brettl in Erfurt.

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