Der goldene Herbst im Kleingarten

Oktober: Jetzt wird der Kräutervorrat angelegt, das Fallobst eingesammelt und auch fleißig gepflanzt.

Marvin Gaßmanns Familie hat in der Dingelstädter Kleingartenanlage „An der Linde“ eine Parzelle. Jetzt hieß es dort:

Marvin Gaßmanns Familie hat in der Dingelstädter Kleingartenanlage „An der Linde“ eine Parzelle. Jetzt hieß es dort:

Foto: Eckhard Jüngel

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Der goldene Oktober macht derzeit seinem Namen alle Ehre und verwöhnt uns mit Sonne und angenehmen Tagestemperaturen. Wer allerdings meint, jetzt brauche er im Garten nichts mehr zu tun, der irrt. Bernd Reinboth, der Vorsitzende des Kreisverbandes der Eichsfelder Kleingärtner, hat für Hobbygärtner noch einige hilfreiche Tipps parat.

Herr Reinboth, viele lieben Kräuter und hätten die gern auch in den kommenden Monaten. Was muss dabei beachtet werden?

Schneiden Sie jetzt noch frische Kräuter und bevorraten Sie sich für den Winter. Greifen Sie morgens, sobald der Herbsttau abgetrocknet ist, zur Schere und schneiden Dill, Schnittlauch und Petersilie. Die klein geschnittenen Kräuter am besten in Eiswürfelbereiter füllen, die Fächer mit wenig Wasser auffüllen und einfrieren. So haben Sie im Winter für Suppe, Eintopf und Salatvinaigrette stets frische Kräuter parat. Allerdings gilt: vor dem ersten Frost ernten. Damit man auch im Winter frischen Schnittlauch und Petersilie zur Verfügung hat, wird ein Teil der Pflanzen abgestochen und zum Treiben in Blumentöpfe gepflanzt. Für eine Schnittlauchernte im Winter graben Sie Ende Oktober zwei bis drei Schnittlauchhorste aus und setzen sie im Freien leichten Frösten aus. Mitte bis Ende Dezember topfen Sie diese Horste ein und stellen sie zum Antreiben nach drinnen. So können Sie auch im Winter frischen Schnittlauch ernten. Diese ins Küchenfenster gestellt – und die frischen Kräuter hat man immer zur Hand.

Was sollten Gartenfreunde bedenken, die Endivien und Chinakohl haben?

In dieser, oftmals regenreichen und kühlen, Jahreszeit kann es häufiger vorkommen, dass Endivien und Chinakohl anfangen zu faulen. Verschiedene Gründe können dafür verantwortlich sein: Das Beet befindet sich in einer dunklen und zudem windstillen Ecke im Garten, die Pflanzen sind zu dicht gesetzt oder die Feuchtigkeit kann nicht richtig entweichen, wenn Sie die Pflanzen mit einem Vlies oder einer Folie vor den ersten Frösten schützen. Bevor der Schaden zu groß wird, ernten Sie den Chinakohl und die Endivien und verarbeiten diese.

Wenden wir uns dem Obstgarten zu. Was von dem, was von den Bäumen gefallen ist, ist verwertbar?

Äpfel, Birnen, Pflaumen und was sonst noch alles von den Obstbäumen plumpst, muss regelmäßig aufgesammelt werden. Dabei gilt die Devise: die Guten ins Töpfchen – daraus wird Mus oder Kompott gemacht– und die schlechten in den Bioabfall. Dieses gehört nicht auf den Kompost, da faules Obst ein idealer Nährboden für Schädlinge und Pilzkrankheiten ist. Und passen Sie beim Sammeln auf, da an dem süßen und überreifen Obst häufig noch ein paar verspätete Wespen sitzen können.

Was gibt es bei der Aufbewahrung von Herbst- und Winteräpfeln zu beachten?

Für die Lagerung eignen sich nur einwandfreie, von Hand gepflückte, kerngesunde Äpfel. Früchte mit Druck- oder Faulstellen, Schalenverletzungen sowie Pilz- oder Obstmadenbefall sollten Sie schon bei der Ernte aussortieren und rasch verwerten oder entsorgen. Ideale Lagerbedingungen bietet ein dunkler, ein bis fünf Grad Celsius kühler, luftfeuchter Kellerraum. Sie können auch den Garten- oder Fahrradschuppen als Obstlager nutzen. Lageräpfel sollten regelmäßig auf Fäulnis überprüft werden.

Wann werden Kiwi, die ja auch einige haben, geerntet?

Großfruchtige Kiwis werden ab Oktober geerntet. Sie müssen allerdings noch einige Zeit im Haus nachreifen. Tipp: Lagern Sie die Früchte zusammen mit frischen Äpfeln in Folienbeuteln. Die Äpfel verströmen ein „Reifegas“, das die Kiwis schneller reifen lässt. Kleinfruchtige Sorten kann man hingegen noch bis Ende November gleich nach der Ernte genießen. Da Mini-Kiwis in lockeren Trauben wachsen, werden sie mit dem ganzen Zweig abgeschnitten. Hartreif geerntete Mini-Kiwis halten sich noch zwei Wochen im Kühlschrank.

Was ist mit Quitten?

Die meisten Quittensorten sind im Oktober erntereif. Apfel- oder Birnenquitten haben von September bis November Saison, und die meisten Sorten sind im Oktober erntereif. Nach dem sonnenreichen Sommer stecken sie jetzt voller Aroma. Ernten Sie die Früchte am besten, wenn sie noch nicht ganz vollreif sind, denn dann enthalten sie noch genügend Pektin, was für die Verarbeitung zu Gelee oder Marmelade wichtig ist. In diesem Reifegrad sind Quitten noch fast zwei Monate im kühlen, luftigen Keller lagerfähig. Aber nicht zusammen mit anderem Obst. Sobald die erste Frucht abfällt, sollten Sie mit der Ernte beginnen. Vollreif gepflückte Früchte sollten sofort verarbeitet werden, denn sie lassen sich nicht sehr lange lagern. Quitten gehören zu den letzten Früchten der Gartensaison.

Wir haben ja vor ein paar Monaten über Leimringe an Bäumen gesprochen. Muss man die im Blick haben?

Die im Frühjahr schlüpfenden Raupen des Kleinen Frostspanners befallen verschiedene Laubbäume, darunter auch Obstbäume. Zum Schutz bringen viele Hobbygärtner gerne Leimringe an, da die Raupen die Bäume sehr schädigen können. Damit es erst gar nicht dazu kommt, sollten Sie regelmäßig die Leimringe kontrollieren. Da auch mal Blätter oder andere Fremdkörperchen an den Ringen kleben bleiben können, sollten Sie diese kontinuierlich entfernen. Die Weibchen der Frostspanner sind zwar flugunfähig, können aber klettern. Und eben diese klebenden Fremdkörper nutzen die Frostspanner-Weibchen, um den Leimring zu überwinden. So können die Weibchen bequem in die Baumkrone gelangen, in der sie dann ihre Eier ablegen.

Herr Reinboth, der Herbst ist ja auch Pflanzzeit. Werden jetzt Obstbäume gepflanzt?

Die meisten Obstgehölze werden von Oktober bis etwa Mitte November gepflanzt. Der Pflanzschnitt wird erst im Frühjahr durchgeführt. Nur die kälteempfindlicheren Obstarten wie Pfirsich, Quitte, Aprikose, Kiwi und Wein sollte man erst im Frühjahr setzen.

Was ist mit Stachel- und Johannisbeeren, kaufe ich die jetzt und bringe sie in die Erde?

Und zwar zunächst als wurzelnackte Ware, die jetzt besonders günstig zu haben ist. Die Sträucher wachsen bei 7 bis 8 Grad vor dem Frost noch gut an. Da sie im Frühjahr frühzeitig austreiben, müssen sie jetzt schnell noch in die Erde. Setzen Sie die wurzelnackten Stachel- und Johannisbeeren so tief, dass die Veredlungsstelle auf Erdhöhe landet. Geben Sie reifen Kompost oder abgelagerten Stallmist mit ins Pflanzloch. Achten Sie beim Kauf der Beerensträucher insbesondere bei Stachelbeeren auf Mehltau-resistente Sorten.

Hobbygärtner sind ja immer auch an Neuheiten interessiert. Haben Sie da einen Tipp?

Wer eine neue Obstart ausprobieren möchte, kann beispielsweise die aus China stammende Nashi in seinen Garten pflanzen. Sie ist eng verwandt mit unseren Birnen und hat auch ähnliche Ansprüche an Standort und Pflege. Nashi-Sorten können sich untereinander befruchten und werden auch durch europäische Birnen befruchtet, sofern die Blütezeit übereinstimmt.

Wenn wir in den Ziergarten schauen, was ist da zu tun? Werden jetzt Blumenzwiebeln gepflanzt?

Blumenzwiebeln kann man pflanzen, solange der Boden noch offen – also nicht gefroren – ist. Damit es bereits im Frühjahr in Ihrem Garten herrlich blüht, sollten Sie jetzt die Blumenzwiebeln pflanzen. So können beispielsweise Schneeglöckchen, Tulpen, Narzissen oder Hyazinthen in der Frühjahrssonne leuchten. Vor dem Stecken der Blumenzwiebeln müssen Sie die Erde der bereits abgeräumten Beete ordentlich lockern. In von der Wühlmaus geplagten Gärten sollten Sie einen Wühlmaus-Schutz einbringen, den Sie problemlos selbst aus einem Drahtgeflecht basteln können.

Und die Zweijährigen?

Spätestens im Oktober kommen die Zweijährigen an ihren neuen Standort. Stiefmütterchen und Hornveilchen können jetzt gepflanzt und mit etwas Reisig abgedeckt werden. Zweijährige Blumen wie Stockrosen, Fingerhut und Bartnelken, die im Sommer ausgesät wurden, kommen jetzt ebenfalls an ihren geplanten Platz. Zum Schutz vor Frösten wird mit Reisig abgedeckt.

Kommen wir zu den Stauden. Wie sieht es da mit dem Pflanzen und Teilen aus?

Stauden pflanzen und teilen kann man bis in den November hinein. Große oder blühfaule Stauden werden geteilt und neu eingepflanzt . Wenn die Stauden im Herbst geteilt werden, bietet sich die Gelegenheit an, das Wurzelwerk direkt von den Wurzelunkräutern zu befreien. Unliebsame Kandidaten wie beispielsweise Quecken oder Giersch wachsen gerne in das Wurzelwerk der umliegenden Stauden hinein. Von dort aus können sich die Wurzelunkräuter wunderbar weiter vermehren. Denn so ohne Weiteres kommt man ja nicht in den Wurzelbereich hinein. Da kommt das anliegende Teilen gerade recht. Auch wenn das Herauspulen von Giersch und Co. ein wenig zeitaufwendig ist, sollten Sie diese dennoch investieren. Es reicht beim Giersch vollkommen aus, wenn noch ein paar kleine Stücke seiner Wurzeln verbleiben. Im Nu macht er sich wieder breit. Wenn Sie die Staude geteilt und aus der Erde genommen haben und sehen noch ein paar Wurzeln dieser Unkräuter aus dem Loch schauen: Spaten ansetzen und auch die restlichen Wurzeln aus der Erde holen. Die kommen sonst wieder – versprochen.

Was macht man denn mit den nicht winterharten Knollen und Zwiebeln?

Holen Sie Gladiolen und Montbretien noch vor dem ersten Frost aus der Erde. Schneiden Sie die Reste des Blütenstands etwa eine Handbreit oberhalb der Knolle ab und entfernen Sie die Erdreste. Einen Tag offen liegen lassen, damit die Knollen abtrocknen können und nicht faulen. Dann an einem frostfreien, kühlen (maximal 15 °C) und trockenen Ort überwintern, zum Beispiel im Keller. Knollen nebeneinander legen (nicht stapeln), um Fäulnis vorzubeugen. Dahlienknollen vertragen leichte Fröste und können noch etwas länger im Beet bleiben. Der letzte Termin für die Dahlien ist dann gekommen,wenn sich die Blätter durch den ersten Nachfrost schwarz verfärbt haben. Ist das der Fall, müssen die Knollen dringend aus der Erde und ins Winterquartier umziehen.

Kontakte:

Dem Kreisverband der Eichsfelder Kleingärtner gehören momentan 54 Vereine mit rund 5000 Hobbygärtnern an. Es gibt 1960 Parzellen.

In Dingelstädt gibt es unter anderem den Kleingartenverein „An der Linde“.

Von den 65 Parzellen, die im Durchschnitt 400 Quadratmeter groß sind, ist derzeit nur ein Bienengarten frei. Alle haben ein Gartenhäuschen und Strom.

Gegründet wurde der Verein im Jahre 1973.

Ihm steht heute Christoph Preiß vor.

Kreisverband: Tel. (03606) 608 52 51, E-Mail: info@ eichsfelder-klein-gaertnerverband.de

Kreisverbandsvorsitzender ist Bernd Reinboth

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