Anti-Corona-Spaziergänge in drei Städten im Ilm-Kreis

Ilm-Kreis.  Die Zusammenkünfte waren nicht angemeldet, in den meisten Fällen hielten sich Teilnehmer aber an Abstandsregeln.

In Arnstadt nahmen rund 200 Menschen am Stadtspaziergang teil. Reden gegen Corona-Auflagen gab es nicht. Der Rundgang wurde als Stadtführung deklariert.

In Arnstadt nahmen rund 200 Menschen am Stadtspaziergang teil. Reden gegen Corona-Auflagen gab es nicht. Der Rundgang wurde als Stadtführung deklariert.

Foto: Britt Mandler

Letzte Regenschauer treiben am Montagabend über Arnstadts Marktplatz. Normalerweise liegt er um diese Uhrzeit wie ausgestorben da. Diesmal laufen aber Menschengrüppchen umher, scharen sich um eine Frau mit Regenschirm, die zu einer improvisierten Stadtführung einlädt. Kurze Zeit später brechen 200 Menschen zum Rundgang durch die Stadt auf.

Angemeldet ist die Veranstaltung nicht. Vielmehr wurde in sozialen Netzwerken wie Facebook auf den „Spaziergang“ aufmerksam gemacht. Man wolle gegen die Corona-Einschränkungen ein Zeichen setzen. Erwähnt wird dies beim Rundgang nicht.

Begleitet werden die Spaziergänger von Polizei und Ordnungsamt. Die Teilnehmer werden darauf hingewiesen, Abstandsregeln einzuhalten.

Landrätin Petra Enders (Linke) betont, dass Proteste ein legitimes Recht der Menschen seien. Nicht umsonst seien Demonstrationen in Thüringen wieder erlaubt. Geltende Schutzmaßnahmen zu ignorieren, dicht an dicht zu gehen, gefährde aber „Familie, Freunde und alle, mit denen sie agieren. Mit diesem Verhalten riskieren sie die Gesundheit und das Leben anderer und schaden am Ende auch der Wirtschaft nachhaltig. Das ist Rücksichtslosigkeit auf Kosten unserer Gemeinschaft“, so Enders.

Angemeldet wurde eine kleine Demonstration der „Zaunrüttlär“, ein Bündnis gegen Rechts. Sie malen auf dem Markt Plakate, in denen gemahnt wird, andere durch eigenen Leichtsinn nicht zu gefährden. Spaziergänge gab es am selben Abend auch in Stadtilm und Ilmenau. Einige der Teilnehmer gehören dem rechten Spektrum an, sorgen sich um ihre Geschäfte, haben Probleme, Beruf und Kinderbetreuung unter einen Hut zu bekommen. Einschreiten mussten die Behörden in allen drei Städten nicht. Ausnahme: Gegen Ende der Veranstaltung versuchte in Arnstadt ein Mann, sich vor den Gegendemonstranten zu entblößen. Hier schritt die Polizei ein. Anzeige wurde erstattet.