Berlin. Seit Jahrzehnten werden in Pompeji Ausgrabungen vorgenommen. Neueste Funde zeigen die schrecklichen Lebensbedingungen der Sklaven.

  • Die antike Stadt Pompeji in unmittelbarer zur 4-Millionen-Metropole Neapel ist ein Magnet für Touristen
  • Immer wieder sorgen neue Ausgrabungen für Schlagzeilen
  • Nun haben Forscher eine Entdeckung in einer Sklaven-Kammer eine grausige Entdeckung gemacht, die viel über die Lebensbedingungen aussagen

Archäologische Ausgrabungen bringen oftmals erschreckende Details aus dem Leben früherer Menschen zum Vorschein. So auch im Fall der Ruinenstätte Pompeji. Die antike Stadt wurde 79 n. Chr. bei einem Ausbruch des Vulkans Vesuv von meterhoher Asche, Schlamm und Lava begraben – die Bewohner der Stadt kamen innerhalb kürzester Zeit ums Leben.

Seit Jahrzehnten finden in der Mittelmeerregion archäologische Ausgrabungen statt. Jetzt fanden Forscherinnen und Forscher gut erhaltene Wohnräume, in denen vermutlich Sklaven gelebt haben. Und die Entdeckungen haben es in sich.

Poompeji wurde vor etwa 2000 Jahren von einer riesigen Aschedecke begraben.
Poompeji wurde vor etwa 2000 Jahren von einer riesigen Aschedecke begraben. © imago/Schöning | imago stock&people

Pompeji: Ausgrabungen enthüllen Lebensumstände der Sklaven

Die Archäologinnen und Archäologen untersuchten eine etwa 16 Quadratmeter große Kammer, die auf einem Grundstück 600 Meter außerhalb der Stadtmauern lagen. Darin befanden sich drei Betten, Vasen, einige Amphoren und eine Kiste mit Zaumzeug für Pferde.

In diesem Sklaven-Zimmer in Pompeji sollen mindestens drei Sklaven gehaust haben.
In diesem Sklaven-Zimmer in Pompeji sollen mindestens drei Sklaven gehaust haben.

In der Kammer sollen laut den Forschern mindestens drei Sklaven geschlafen haben. Ihre Betten bestanden aus mit Seilen gespannten Holzlatten, auf denen Tücher oder Teppiche lagen. Nur auf einem der Betten war eine Matratze. Auffallend ist, dass die gefundenen Betten verschiedene Größen haben. Zwei sind etwa 1,70 Meter lang, das dritte 1,40 Meter lang. Das heißt, dort muss entweder ein kleiner Mensch oder ein Kind geschlafen haben.

Pompeji: War die Sklavenkammer ein Gefängnis?

Während der Hausherr die Kammer vermutlich auch als Abstellraum nutzte, sollen die Sklaven ihre persönlichen Gegenstände mit Amphoren unter dem Bett aufbewahrt haben. Dort wurden auch Nachtöpfe gefunden. Erstaunlich ist laut den Forschenden jedoch, dass in der Kammer weder Metalstäbe an den Fenstern noch Türschlösser gefunden wurden. Das wirft die Frage auf, wie die Sklaven im antiken Pompeji kontrolliert wurden.

LagePompeji liegt nahe der modernen Stadt Neapel.
VulkanausbruchDie Stadt wurde 79 n.Chr. durch den Ausbruch des Vulkans Vesuv verschüttet.
UNESCO-WeltkulturerbeSeit 1997 ist Pompeji auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes.
AusgrabungenTrotz ihrer Entdeckung im 16. Jahrhundert begannen systematische Ausgrabungen erst im 18. Jahrhundert.

„Da es keine unüberwindbaren physischen Barrieren zu geben schien, die verhindert hätten, dass die versklavten Arbeiter in der Villa fliehen, muss es andere Kontrollmechanismen gegeben haben“, heißt es in dem Aufsatz zum Fund, der von Gabriel Zuchtriegel und Chiara Corbino verfasst wurde.

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Pompeji: Überreste von Ratten und Mäusen gefunden

Doch der grausigste Fund waren die Überreste von zwei Mäusen und einer Ratte. Die Knochen wurden in Amphoren unter den Betten der Sklaven entdeckt. Auch wenn Hausratten zur damaligen Zeit schon geläufig waren, wurden sie bisher nur in anderen Regionen gefunden.

Fotostrecke: Die beliebtesten Regionen in Italien

Die Toskana gehört nicht nur zu den bekanntesten, sondern auch zu den  meistbesuchten Reisezielen innerhalb Italiens.
Die Toskana gehört nicht nur zu den bekanntesten, sondern auch zu den meistbesuchten Reisezielen innerhalb Italiens. © IMAGO / Panthermedia
Wen vor allem die Mode nach Italien zieht, ist in der Lombardei am besten aufgehoben. Diese Region ist eine der reichsten des Landes, vor allem auf die prunkvolle Hauptstadt Mailand wird oft ein besonderes Augenmerk gelegt.
Wen vor allem die Mode nach Italien zieht, ist in der Lombardei am besten aufgehoben. Diese Region ist eine der reichsten des Landes, vor allem auf die prunkvolle Hauptstadt Mailand wird oft ein besonderes Augenmerk gelegt. © IMAGO / imagebroker
Die größte Insel im Mittelmeer, Sizilien, gehört ebenfalls zu den beliebtesten Regionen Italiens.
Die größte Insel im Mittelmeer, Sizilien, gehört ebenfalls zu den beliebtesten Regionen Italiens. © IMAGO / Westend61
Apulien bildet den Absatz des geografischen italienischen Stiefels. Die Region ist besonders für ihre weißen Sandstrände bekannt.
Apulien bildet den Absatz des geografischen italienischen Stiefels. Die Region ist besonders für ihre weißen Sandstrände bekannt. © iStock / Balate Dorin
Die Region Venetien hat ebenfalls einen Hotspot, den Urlauberinnen und Urlauber besonders gerne aufsuchen: Venedig.
Die Region Venetien hat ebenfalls einen Hotspot, den Urlauberinnen und Urlauber besonders gerne aufsuchen: Venedig. © IMAGO / Jöran Steinsiek
Trentino-Südtirol ist eine Region im Norden Italiens. Hier locken atemberaubende Berglandschaften zahlreiche Touristen an.
Trentino-Südtirol ist eine Region im Norden Italiens. Hier locken atemberaubende Berglandschaften zahlreiche Touristen an. © IMAGO / CEPix
Kampanien zählt ebenfalls zu den meist besuchten Regionen des Landes. Die Region umgibt die drittgrößte Stadt Italiens, Neapel.
Kampanien zählt ebenfalls zu den meist besuchten Regionen des Landes. Die Region umgibt die drittgrößte Stadt Italiens, Neapel. © FOTOLIA | FOTOLIA
Latium wird unter anderem wegen der Hauptstadt Italiens stark besucht: Rom. Zahlreiche bedeutende Monumente und Bauwerke locken Urlauberinnen und Urlauber in die historisch und kulturell reiche Region.
Latium wird unter anderem wegen der Hauptstadt Italiens stark besucht: Rom. Zahlreiche bedeutende Monumente und Bauwerke locken Urlauberinnen und Urlauber in die historisch und kulturell reiche Region. © dpa | Virginia Mayo
Sardinien ist die zweitgrößte Insel im Mittelmeer und bekannt für ihre Strände, ihre Nuraghen-Türme und ihre Kulinarik.
Sardinien ist die zweitgrößte Insel im Mittelmeer und bekannt für ihre Strände, ihre Nuraghen-Türme und ihre Kulinarik. © IMAGO / Wirestock
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„Die Überreste deuten darauf hin, dass die Hausratte bereits im ersten nachchristlichen Jahrhundert in der Gegend von Pompeji verbreitet, war“, schreiben die Ausgräber in ihrem Bericht.

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Pompeji: Details zeigen Hygiene und Krankheitslage der Sklaven

„Diese Details betonen noch einmal die Bedingungen der Unsicherheit und schlechten Hygiene, unter denen die unteren Schichten der Gesellschaft zu dieser Zeit lebten“, schreibt das italienische Kulturministerium in einem Statement.

Die Funde geben neue Details über die Hygiene, Krankheitskontrolle und Lagerbedingungen in Pompeji, die „nicht unterschätzt werden sollten“, betonen die Forschenden. Weitere Funde aus der Kammer sollen jetzt untersucht werden.

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Pompeji war eine antike römische Stadt, etwa 20 Kilometer südöstlich von Neapel. Mit seinen rund 13.000 Einwohnern und florierenden Handelsaktivität war Pompeji ein bedeutendes Zentrum des römischen Lebens im 1. Jahrhundert n. Chr. Die erhaltene Ruinenstätte von Pompeji bietet heute faszinierende Einblicke in das tägliche Leben und die Kultur der antiken römischen Gesellschaft. (ari)

Pompeji: Die wichtigsten Infos zur antiken Römerstadt

Wo liegt Pompeji?

Pompeji liegt im Süden Italiens, nahe der Stadt Neapel und am Fuße des Vulkans Vesuv.

Warum ist Pompeji so gut erhalten?

Die Stadt wurde durch den Ausbruch des Vesuvs schnell mit einer dicken Schicht aus Asche und Gestein bedeckt. Diese natürliche Konservierung hat dazu geführt, dass Gebäude, Kunstwerke und sogar organische Materialien wie Lebensmittel und Holz erhalten blieben.

Was wissen wir über das tägliche Leben in Pompeji?

Die hervorragenden Erhaltung der Stadt ermöglicht authentische Einblicke in das Alltagsleben der Bewohner. Es gab Tempel, öffentliche Bäder, Märkte und Theater. Wandmalereien und Graffiti geben zudem Einblicke in die Kultur und Gesellschaft der Zeit.

Wie wurde Pompeji entdeckt?

Die ersten Spuren von Pompeji wurden im 16. Jahrhundert entdeckt, aber systematische Ausgrabungen begannen erst im 18. Jahrhundert. Seitdem ist die Stadt eine der wichtigsten archäologischen Stätten der Welt.

Ist Pompeji heute sicher zu besuchen?

Ja, Pompeji ist eine der meistbesuchten archäologischen Stätten der Welt und wird ständig überwacht. Es gibt jedoch immer das Risiko eines weiteren Vesuv-Ausbruchs, weshalb die Region als gefährdet gilt.

Was sind die Herausforderungen bei der Erhaltung von Pompeji?

Die Hauptprobleme sind der Verfall durch Umwelteinflüsse und der Schutz der Stätte vor möglichen zukünftigen Vulkanausbrüchen. Es gibt kontinuierliche Bemühungen zur Restaurierung und Konservierung der Ausgrabungen.