Baustopp: Lückenschluss an A71 bei Sömmerda erfolgt erst im Sommer 2015

Erfurt. Die letzte Lücke der Autobahn A71 bei Sömmerda wird in diesem Jahr nicht mehr geschlossen. Risse und Verformungen im Baugrund machen erhebliche Mehrarbeiten notwendig, bestätigte Thüringens Verkehrsminister Christian Carius (CDU) am Mittwoch in Erfurt.

An der Abfahrt Sömmerda Ost endet die Autobahn vorserst für Autofahrer. Die Fertigstellung soll sich um ein halbes Jahr verschieben. Foto: Alexander Volkmann

An der Abfahrt Sömmerda Ost endet die Autobahn vorserst für Autofahrer. Die Fertigstellung soll sich um ein halbes Jahr verschieben. Foto: Alexander Volkmann

Foto: zgt

Zwar seien diese Probleme bislang nur auf einem Abschnitt von etwa 1,7 Kilometer Länge aufgetreten, dennoch habe sich die verantwortliche Planungsgesellschaft Deges dazu entschlossen, das Erdreich auf der gesamten Länge des fehlenden Teilstücks von 11,3 Kilometern auszutauschen.

"Wir müssen mit Verzögerungen von einem halben Jahr rechnen", sagte Carius. Er erwarte von der Deges und der Baufirma, dass man mit Hochdruck daran arbeite, das Problem zu beseitigen. "Die Menschen in der Region warten schon lange auf die Fertigstellung der Autobahn", so Carius. Sie müssten seit geraumer Zeit mit erheblichen Lärmbelästigungen leben, weil die Verkehrsdichte massiv zugenommen habe.

Im Januar sei man noch recht optimistisch gewesen, den Termin der Fertigstellung zum Jahresende einhalten zu können, räumte Deges-Geschäftsführer Dirk Brandenburger ein. Erst im Frühjahr habe man die Risse und Verformungen in der Frostschutzschicht entdeckt, so Brandenburger. Das Risiko von geologischen Reaktionen im Boden sei bekannt gewesen, ein Gutachten habe die Folgen aber für überschaubar erklärt.

"Der Austausch des gesamten Erdreichs bis zur einer Tiefe von zwei Metern, hätte Mehrkosten von 60 bis 70 Millionen Euro verursacht", sagte Brandenburger. Schlicht zu teuer, bei überschaubarem Risiko.

Jetzt habe man den Boden nach den ersten Rissen nochmals untersucht. Die Ursachen für die Veränderungen im Erdreich seien aufgeklärt. Es handele sich um Ettringit, ein Mineral, das mit Wasser und Beton reagiere und sein Volumen bis auf das Dreifache vergrößere.

In einem neuerlichen Gutachten der Bauhaus-Universität in Weimar sei zur Lösung des Problems jetzt der Austausch einer Deckschicht "bis zur Tiefe von 60 Zentimetern empfohlen worden. "Wir müssen den gipshaltigen Boden abtragen und durch neue Erdschichten ersetzen,", kündigte Brandenburger an. Allein dafür seien etwa vier Monate nötig, so der Deges-Chef.

Rund 200.000 Kubikmeter Erde seien zu ersetzen, um die gut 30 Meter breite Autobahn auf der gesamten Länge von mehr als elf Kilometern zu erneuern.

Erste grobe Schätzungen gehen von Kosten von rund 10 Millionen Euro aus. Geld, das der Bund aufbringen müsse, der der Bauherr der Autobahn sei. "Wir haben den Bund bereits über die entstehenden zusätzlichen Kosten informiert", bestätigte Verkehrsminister Carius. Er rechne nicht damit, das es bei der Finanzierung Probleme geben könnte. Immerhin handele es sich um ein begonnenes Bauprojekt.

Nach der Vollendung des neuen Autobahn-Unterbaus hänge das Aufbringen der Betondecke natürlich auch von der Witterung ab, räumte Deges-Chef Brandenburger ein. Im Winter sei es nicht möglich, die Fahrbahndecke zu vollenden. So habe man nach dem Winter vor einem Jahr erst im April die Arbeiten wieder aufnehmen können. Während im zurückliegenden Winter fast durchgearbeitet werden konnte.

Das noch fehlende Teilstück der Autobahn A71 zwischen der Anschlussstelle Sömmerda-Ost und der Bundesstraße B85 ist der letzte unvollendete Autobahnneubau in Thüringen. Der Lückenschluss verlängert die Thüringer-Wald-Autobahn A71 von Bayern kommend bis zum Autobahnkreuz mit der Südharz-Autobahn A38 bei Sangerhausen.

Während es an der A71 zu Verzögerungen bis zum Sommer 2015 kommt, liegen laut Carius die Arbeiten an der Autobahn A9 bei Schleiz und am Jagdbergtunnel bei Jena derzeit im Plan. Im Tunnel solle in den nächsten "Wochen der Probe- betrieb beginnen, kündigte der Minister an. Am Jahresende soll dann der Verkehr auf dem neuen Autobahnteilstück rollen.