Erfurt soll eine neue Straßenbahnlinie bekommen

Erfurt. Zwischen Hauptbahnhof und Leipziger Platz soll vielleicht schon bis zum Ende des Jahrzehnts mit dem Bau einer neuen Straßenbahnlinie begonnen werden. Gedacht ist an einen Trassenverlauf an der Südseite des Bahnhofgebäudes und eine Unterquerung der Eisenbahngleise am Schmidtstedter Tor.

Am Schmidtstedter Knoten soll an der Rechtsabbiegerspur eine Straßenbahnlinie gebaut werden. Foto: Susann Fromm

Am Schmidtstedter Knoten soll an der Rechtsabbiegerspur eine Straßenbahnlinie gebaut werden. Foto: Susann Fromm

Foto: zgt

Von dort aus würde die Bahn in Richtung Thälmannstraße abbiegen, in einer Art Schleife mitten hinein in das neue Bahnhofsviertel führen und schließlich "irgendwo im Bereich des Leipziger Platzes angebunden werden", skizzierte der Amtsleiter für Stadtentwicklung Paul Börsch jetzt den aktuellen Planungsstand.

Mittels dieser Investition sollen die Büro- und Wohngebäude, die innerhalb des kommenden Jahrzehnts auf den heutigen Flächen des alten Güterbahnhofs entstehen werden, verkehrstechnisch besser an den Hauptbahnhof angebunden werden. Bei entsprechendem Gleisverlauf könnte damit auch das östliche Ende des heutigen Güterbahnhofs zu einem attraktiven Gewerbestandort entwickelt werden, so die Erwartungen der Landesentwicklungsgesellschaft. Geschäftsführer Frank Krätzschmar weiß: "Je kürzer der Weg zum Hauptbahnhof, desto gefragter wird die Lage im neuen Stadtteil sein."

Noch aber ist nicht einmal der genaue Straßenverlauf im neuen Stadtquartier geplant. Insofern lassen sich derzeit auch keine Gesamtkosten beziffern. Wohl aber ist eine Förderung möglich. "Für neue Strecken besteht die Möglichkeit, Fördermittel des Bundes aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz zu bekommen", so eine Sprecherin der Stadtwerke.

Bei zurückliegenden Bauvorhaben wie den Stadtbahntrassen zum Ringelberg und zur Messe setzte die Stadt die Evag auf Basis eines Maßnahmeträgervertrages als koordinierenden Auftraggeber ein. Bei jüngeren Bauvorhaben wie etwa an der Schlösserstraße und aktuell in der Johannesstraße koordiniert die Stadt Aufträge selbst.

Bei diesen Auskünften möchte es Evag-Geschäftsführerin Myriam Berg dann auch belassen. Fragen der Redaktion nach Baubeginn, den voraussichtlichen Kosten und den möglichen Vorteilen einer solchen Verbindung etwa für das Erfurter Gesamtnetz will sie derzeit nicht beantworten. "Das Thema steht erst ganz am Anfang", ließ sie über die Pressestelle ausrichten.

Dabei ist die Planung immerhin konkret genug, um bereits gegenüber Investoren mit einer neuen Linie durchs Bahnhofsviertel zu werben. "Eine neue Straßenbahnlinie, ein Café, ein Restaurant und viel Grün sollen für eine hohe Aufenthaltsqualität sorgen", heißt es etwa in dem erst in der vergangenen Woche neu geschalteten Internet-Portal www.ice-knoten.de.

Marion Walsmann: Lückenschluss sinnvoll

Auch die Kommunalpolitik debattiert bereits über die großen Linien und die kleinen Details dieser Querspange. "Dieser Lückenschluss in der Krämpfervorstadt macht Sinn", sagt etwa die CDU-Kreisvorsitzende Marion Walsmann. Schließlich sei für einen guten Teil der 30 Hektar Gesamtfläche im neuen Bahnhofsviertel eine hochwertige Wohnbebauung zu erwarten.

Ihr Parteifreund im Stadtrat, Jörg Kallenbach, hat bereits einen Blick auf die Details geworfen. Er hält beispielsweise die Planungen zur Querung am Schmidtstedter Tor für nicht optimal. Vorgesehen ist, für die Unterquerung der Bahngleise die bisherige Abbiegespur des Autoverkehrs zur Schillerstraße zu nutzen.

"Das mag ja noch gehen", sagt Kallenbach. "aber wie kommt die Straßenbahn hinter dem Tunnel anschließend über die größte Kreuzung in der Stadt?" Da müsse es andere Lösungen geben.

Die ersten Flächen am Erfurter Bahnhof sollen Ende September den Eigentümer wechseln

Bahn schließt Umbau des Erfurter Hauptbahnhofes ein Jahr früher ab