Evag testet Elektrobus in Erfurt zwischen Nordbahnhof und Daberstedt

Erfurt. Grün-weißer Prototyp verkehrt noch bis zum Freitag in der Landeshauptstadt. Man erhofft sich Erkenntnisse zu den Kosten im Linienbetrieb.

Noch bis zum Freitag fährt dieser Elektrobus imTestbetrieb auf der Linie 9. Foto: Matthias Thüsing

Noch bis zum Freitag fährt dieser Elektrobus imTestbetrieb auf der Linie 9. Foto: Matthias Thüsing

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Still, fast lautlos surrt er heran. Keine Anzeigetafel weist auf den Bus der Linie 9 hin. Während üblicherweise auf dieser Strecke Gelenkbusse von 18 Metern Gesamtlänge eingesetzt werden, ist dieses Fahrzeug deutliche sechs Meter kürzer. Zudem ist es auffällig in Grün-Weiß lackiert. Die anderen Evag-Busse rollen in rot-weißem Design daher.

Der wichtigste Unterschied aber liegt in der Motorisierung. Denn der Bus fährt nicht mit Diesel oder Erdgas, sondern rein elektrisch. Die Stadtwerke haben ihn für eine Woche zu Testzwecken zur Verfügung gestellt bekommen. Die Evag soll praktische Erfahrungen sammeln mit dieser Antriebsart, die so mancher Ingenieur für die Motorisierung der Zukunft hält.

Die Erfurter Verkehrsbetriebe äußern sich zu solchen Fragen derzeit nicht. "Die Tests sind noch nicht abgeschlossen", sagt der Evag-Betriebsleiter Michael Nitschke. Die Fragestellungen seien komplex. So geht es im Praxistest um Fragen zur Betriebswirtschaftlichkeit, Akku-Ladezeiten in Abhängigkeit zu Streckenprofil und Außentemperaturen oder Lärm- und Abgasemissionen.

Zudem wird schon in der kommenden Woche ein weiterer Bus in der Landeshauptstadt getestet werden. Der ist dann Teil eines mehrstufigen Modellversuchs, den das Thüringer Bauministerium noch unter dem damaligen Ressortchef Christian Carius (CDU) aufgelegt hatte. In gleich mehreren Thüringer Straßenbahnstädten wurden demnach die Möglichkeiten eines Praxiseinsatzes zunächst theoretisch durchgerechnet, anschließend in Einzelfahrten erprobt. Nun werden sie im Linienverkehr überprüft. Voraussichtlich Mitte kommender Woche will das Bauministerium ein erstes Fazit ziehen.

Der Gedanke hinter dem Projekt: Wenn nur fünf Linien in Thüringer Städten mit E-Bussen bedient würden, könnten fast 3000 Tonnen CO2 jährlich eingespart werden. Das ist das Ergebnis einer Studie des Thüringer Verkehrsministeriums. Ziel sei demnach eine bessere Luftqualität in den Städten.

Während eines Symposiums auf der Erfurter Messe im vergangenen Mai dämpften jedoch Ingenieure von Projektpartnern zweier Fraunhofer-Institute aus Ilmenau und Dresden die Erwartungen an die neue Technik. So sei ein Einsatz der Elektrobusse wegen der nach wie vor langen Ladezeiten und geringen Reichweiten in Erfurt noch nicht uneingeschränkt zu empfehlen. So lägen die Fahrzeugkosten für Elektrobusse deutlich über denen der mit Diesel betriebenen Modelle. "Ein Dieselbus ist in der Summe günstiger als ein batteriegetriebener Elektrobus", sagte etwa Peter Bretschneider vom Fraunhofer-Institut Angewandte Systemtechnik in Ilmenau. Einziger Pluspunkt: Die Kosten für die Energieversorgung des Fahrzeugs seien im elektrischen Betrieb auch aus erneuerbaren Energien günstiger als der Dieselantrieb. Doch die Batterietechnik schreitet mit großen Schritten voran - nun also erfolgt die Überprüfung der Simulation im Praxistest.

Das in dieser Woche in Erfurt eingesetzte Fahrzeug sei streng genommen kein Bestandteil des Modellversuchs von Land und Evag, so ein Sprecher. Man habe den Bus zu Testzwecken angeboten bekommen und die Gelegenheit ergriffen.

Reduzierung von Abgas und Feinstaub

Noch bis Freitag soll er die "Linie neun" bedienen. Weil es ihm an den Evag-eigenen Techniksystemen mangele, bediene der Bus die Strecke zusätzlich zum tagsüber geltenden 10-Minutentakt.

Das Fahrzeug der "E-Bus Europa GmbH" aus dem bayrischen Memmingen ist mit 33 Sitz- und 64 Stehplätzen ähnlich groß wie ein herkömmlicher Dieselbus ohne Gelenk. Durch den Elektroantrieb sei der Bus nahezu feinstaubfrei und ohne CO2-Emissionen unterwegs.

Der Elektromotor fungiere beim Bremsen als Generator, gebe die so gewonnene Energie an die Akkus zurück. Die Reichweite mit einer Batterieladung betrage etwa 200 Kilometer. Das reicht nicht für einen ganztägigen Einsatz im Linienverkehr.

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