Gemalte Verkehrszeichen locken Weimarer Autofahrer in Radarfalle

Gelmeroda (Weimar). Mit zwei handgemalten Tempo-50-Schildern haben Unbekannte in der Nacht zu Dienstag in Gelmeroda für Ärger und Verwirrung gesorgt. Mit den gefälschten Verkehrszeichen überklebten sie die für eine Baumaßnahme aufgestellten regulären Tempo-30-Schilder an der B 85.

Polizeihauptkommissar Lutz Regensburg zeigt am Kirschberg ein von Unbekannten bemaltes Pappschild, das einem Verkehrszeichen nachempfunden ist. Das Schild täuschte Autofahrer in Gelmeroda. Foto: Holger Wetzel

Polizeihauptkommissar Lutz Regensburg zeigt am Kirschberg ein von Unbekannten bemaltes Pappschild, das einem Verkehrszeichen nachempfunden ist. Das Schild täuschte Autofahrer in Gelmeroda. Foto: Holger Wetzel

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Da der Blitzer am unteren Ortsende ebenfalls auf Tempo 30 eingestellt war, die Autofahrer aber von Tempo 50 ausgingen, schoss der Blitzer in der Wahrnehmung der Autofahrer wahllos alles ab, was sich schneller als ein Fußgänger bewegte.

Wann die regulären Schilder mit den sorgfältig angefertigten Papp-Attrappen überklebt wurden, konnte am Dienstag noch nicht festgestellt werden. Bemerkt wurde die Täuschung gegen 4.25 Uhr. Wie die Polizei mitteilte, gingen zu dieser Zeit Anrufe aufgeregter Autofahrer bei der Polizeiinspektion ein.

Die Autofahrer hatten sich geärgert, dass der Blitzer auslöste, obwohl sie genau auf die Einhaltung des vermeintlichen Tempolimits geachtet hatten. Mindestens einer von ihnen fuhr zu dem Verkehrsschild zurück und bemerkte die geschickte Täuschung. Die Polizei entfernte die Pappschilder umgehend und stellte sie sicher.

Gemeinsam mit dem Weimarer Ordnungsamt begannen die Polizisten dann mit den Ermittlungen. Wie das Weimarer Rathaus mitteilte, will das Ordnungsamt den Zeitraum möglichst genau eingrenzen, in dem die "falschen Fuffziger" die Autofahrer verwirrten.

Alle in diesem Zeitraum geblitzten Fahrzeuge würden anschließend einzeln überprüft, hieß es. "Eine Generalamnestie ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorgesehen", betonte ein Rathaus-Sprecher.

Die Schilder, die von hinten aussehen wie ein kreisrunder Pappkarton, werden in der Asservatenkammer der Polizeiinspektion am Kirschberg aufbewahrt. Sie lassen ahnen, wie leicht Autofahrer auf die Täuschung hereinfallen konnten. Die Ziffern zeigen ein gegenüber echten Verkehrszeichen verändertes Schriftbild und sind, wie auch der rote Rahmen, nicht genau zentriert. Auch die Reflexfolien echter Verkehrszeichen fehlen. Doch sprach die Polizei zu Recht von "professionell angefertigten" Fälschungen. "Auch ich wäre wohl darauf hereingefallen", sagte Polizeihauptkommissar Lutz Regensburg.

Neben der Tatzeit und der Anzahl der Täter ist das Motiv bislang unklar. Es könnte sich um einen "Schildbürgerstreich" oder die Rache eines geblitzten Autofahrers handeln. Vielleicht hielt der Täter die temporäre Beschränkung auf Tempo 30 in Gelmeroda für eine Dauermaßnahme und wollte mit seiner Aktion dagegen protestieren. Die Ursache für die Einschränkung sind Arbeiten am Bürgersteig.

Die Polizei wertet die Tat als gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr. Der Gesetzgeber sieht als Strafmaß eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren vor.

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