Rückkehr von Oberleitungsbussen und neue Straßenbahnlinie in Erfurt geplant

Erfurt. Eine neue Trasse über die Puschkinstraße soll mittelfristig das Erfurter Straßenbahn-Netz entlasten. Derzeit werde die technische Machbarkeit geprüft, bestätigte die Evag-Chefin Myriam Berg. "Es wäre ein Traum, wenn die Trasse zur Bundesgartenschau 2021 fertig wäre", sagte Berg. Bereits 2016 steht eine weitere Elektrifizierung des Erfurter Nahverkehrs ins Haus - durch die Rückkehr des Oberleitungsbusses.

Die Schmidtstedter Brücke 1964. Zu sehen sind Straßenbahnen, aber auch ein Oberleitungsbus der Linie Melchendorf - Hochheim ist erkennbar, der gerade die Brücke überquert. Bild: Jürgen Valdeig

Die Schmidtstedter Brücke 1964. Zu sehen sind Straßenbahnen, aber auch ein Oberleitungsbus der Linie Melchendorf - Hochheim ist erkennbar, der gerade die Brücke überquert. Bild: Jürgen Valdeig

Foto: zgt

Die Trasse soll eine Verbindung von der Schillerstraße zum Karl-Marx-Platz herstellen, wo jeweils schon Straßenbahnen verkehren. Die Hauptfunktion der neuen Trasse wäre die Entlastung des Bahnhofstunnels, der neben dem Angerkreuz den kritischsten Engpass im Stadtbahn-Netz darstellt.

Fünf der sechs Stadtbahnlinien sowie drei Buslinien durchfahren den Tunnel. Zu Spitzenzeiten fährt pro Richtung alle zwei Minuten eine Bahn von den Haltestellen ab. Dieser Takt lasse sich nicht noch weiter verkürzen, meint Berg. Zudem fehlt bisher eine Ausweichvariante, sollte einmal eine Havarie auftreten. Der Bau der Trasse lohne sich aber nur, wenn sie auch in das Liniennetz integriert würde, sagte Berg.

Bessere Anbindung der Multifunktionsarena

Anbieten würde sich eine Route zur geplanten Multifunktionsarena am Steiger, für die am Kaffeetrichter eine erweiterte Weichenanlage gebaut werden müsste. Der Schienenersatzverkehr, der bei Fußballspielen mit Gefahrenpotenzial - und daher gesperrtem Bahnhofstunnel - eingesetzt wird, könnte sich dann erübrigen.

Aber auch für die bessere Anbindung der Ega, gerade mit Blick auf die Buga, könnte die Puschkinstraße eine Rolle spielen. Berg kann sich etwa eine Linienführung vom Bahnhof durch die Puschkinstraße, über Karl-Marx-Platz und Brühler Garten zur Ega vorstellen. Technisch würde die Trasse jedoch ausgesprochen hohe Ansprüche stellen, sagte die Evag-Chefin. Innerhalb einer kurzen Strecke müsste der Flutgraben über- und die in der Höhe knapp bemessene Eisenbahnbrücke unterfahren werden.

Mehrere Faktoren dürften die Passagierzahlen der Straßenbahnen in Zukunft weiter erhöhen. Dazu zählen die steigende Bevölkerungszahl, der Trend zur autolosen sowie umweltfreundlichen Mobilität und nicht zuletzt die Umweltzone. Dieses Konzept einer weitgehend autofreien Innenstadt bezieht die Stadtbahn als wesentliches Element mit ein. Bereits in den letzten Jahren verzeichnete die Evag laut Myriam Berg stetig steigende Fahrgastzahlen. 39,8 Millionen Fahrgäste waren es 2009, im Jahr 2012 war die Zahl auf 41,9 Millionen geklettert. Zählt man die Stadtbusse mit dazu, verzeichnete die Evag im selben Zeitraum einen Anstieg von 47,2 auf 49,9 Millionen Passagiere.

Im Vorjahr habe selbst die Großbaustelle Schlösserstraße diesem Trend nichts anhaben können. Obwohl die endgültige Auswertung noch aussteht, zeichne sich eine erneute leichte Steigerung ab, sagte Berg. Bereits 2016 steht eine weitere Elektrifizierung des Erfurter Nahverkehrs ins Haus - durch die Rückkehr des Oberleitungsbusses. Derzeit werde geprüft, ob die Buslinie 9 von Daberstedt zum Nordbahnhof durch O-Busse bedient werden könne. Aktuell werden auf dieser Linie mit Gas betriebene Busse eingesetzt. Sie würden sich im Einsatz aber nicht besonders auszeichnen, sagte Berg. Wenn die Gas-Busse 2016 planmäßig in den Ruhestand gehen, könnten O-Busse sie ersetzen.

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