Straßenbauamt verärgert in Lengefeld Einwohner und Bürgermeister

Seit wenigen Tagen verstehen die Einwohner von Lengefeld und so mancher Kraftfahrer, der den Ort in Richtung Dörna/Hollenbach verlassen will, die Welt nicht mehr. Die einzige große Brücke über die Luhne mitten im Dorf wurde mit zwei Metallbanden so eingeengt, dass nur noch Pkw darüber hinweg können.

Da kann einem Angst und Bange werden, wenn man unter die marode Brücke schaut, auf der Maik Schwabe (links) und Walter Diemann stehen. Ein angedocktes Starkstromkabel hat der Ortsteilbürgermeister aus Sicherheitsgründen schon entfernen lassen. Foto: Jürgen Wand

Da kann einem Angst und Bange werden, wenn man unter die marode Brücke schaut, auf der Maik Schwabe (links) und Walter Diemann stehen. Ein angedocktes Starkstromkabel hat der Ortsteilbürgermeister aus Sicherheitsgründen schon entfernen lassen. Foto: Jürgen Wand

Foto: zgt

Lengefeld. Zulässige Belastung: drei Tonnen. Zuletzt waren es noch neun Tonnen, da allerdings auch schon mit den beiden Banden, die jetzt noch enger, auf 2,75 Meter Breite, gestellt wurden. Veranlasst hat das die Nordthüringer Straßenbaubehörde, die dafür zuständig ist.

Ursache ist der marode Zustand der Brücke, die zu DDR-Zeiten noch 16 Tonnen tragen konnte. Das Problem jedoch besteht schon seit Mitte der neunziger Jahre, wie uns Maik Schwabe erklärte, der im Gemeinderat sitzt. Schnell mal ein Schild auswechseln, das sei der einfachste Weg, aber keine Lösung. Überdies: Ortsteilbürgermeister Walter Diemann, der an der Brücke wohnt, musste oft beobachten, wie unvorbereitete Lkw-Fahrer erst unmittelbar vor der Bücke mitkriegen, dass sie nicht darüber fahren können. Ein waghalsiges Wendemanöver war dann die Folge. Mittlerweile aber steht wenigstens am Abzweig nach Lengefeld hinter Dörna ein Schild.

Was aber passiert, wenn Feuerwehr und Rettungskräfte oder der Winterdienst von der einen auf die andere Seite der Luhne müssen? Das kleinste Feuerwehr-Fahrzeug wiegt schon 3,5 Tonnen. Etwa 50 Häuser mit rund 200 Leuten wären davon betroffen. Oder was macht der dort ansässige Kleinunternehmer, der von Zulieferfahrzeugen, von der B 247 kommend, abhängig ist? Was allen bleibt, ist ein etwa acht Kilometer langer Umweg über Bickenriede, um auf die andere Seite des Anröder Ortsteils zu gelangen. Das trifft auch für Müllfahrzeuge zu.

Zugegeben, wenn’s brennt, kann die größere, aber wegen ungeklärter Eigentumsverhältnisse gesperrte Wirtschaftsbrücke genutzt werden. Darüber hinaus gibt es noch für kurze Zeit eine befristete Genehmigung für den Busverkehr. Was aber dann? Für die älteren Einwohner ein Problem, sieht das der Abgeordnete, denn auf sie kommen durch den Umweg höhere Kosten zu. Die Gemeinde könne in der Sache nicht tätig werden, denn der Baulastträger sei das Land, sagt Walter Diemann. Die Lösung sei eine neue Brücke, die schon damals, Mitte der Neunziger, versprochen wurde, erinnern sich der Lengefelder. Bei einer erneuten Nachfrage unlängst sei ihnen aber mitgeteilt worden, so Maik Schwabe, dass damit weder 2011 noch 2012 zu rechnen sei.

Dabei liegt noch einiges anderes in punkto dörflicher Straßenbau im Argen. So ist etwa die Hauptstraße vor sechs Jahren nur zur Hälfte mit Kanal und bitumiert fertiggestellt worden. Die andere blieb Holperpflaster, über das die Laster in Richtung Bickenriede durchs Dorf donnern und so eine unerträgliche Belastung für die Anwohner sind. Darüber hinaus ist die Landesstraßen-Zufahrt von Dörna vor Jahren auch nur zur Hälfte erneuert worden. Die andere sticht sogar die geflickten Straßen aus DDR-Zeiten aus.

Siegfried Brand (CDU), der Bürgermeister der Gemeinde Anrode, weiß sich auch keinen Rat mehr. Und das will bei ihm schon was heißen. So wird er schon seit Jahren immer wieder vertröstet. Dann, 2008, lag endlich eine komplette Planung für den Neubau der Brücke vor, einschließlich des Beitrags der Gemeinde. Doch geschehen ist seitdem nichts, bis auf den jetzt erfolgten Schilderwechsel.

Brand ärgert es, dass die Gemeinde so absolut im Unklaren gelassen wird, und schrieb der Behörde in Leinefelde einen "bösen Brief". Einzige (mündliche) Reaktion an einen Mitarbeiter seiner Gemeindeverwaltung und nicht an ihn: Es gibt Dörfer, da sieht’s noch schlimmer aus. Schlimmer? Der Bürgermeister bedauert die Sprachlosigkeit des Amtes über eine groteske Situation, bei der eine Brücke ein ganzes Dorf teilt.

Ein zuständiger Ansprechpartner im Nordthüringer Straßenbauamt war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.