Bad Sulza erlebt kürzeste Weinlese seit Jahren

Sonnendorf.  Wegen zunehmender Naturereignisse wie Trockenheit, Spätfröste oder Hagel wird die Luft für Thüringer Winzer weiter dünner.

Andreas Clauß vom Thüringer Weingut Bad Sulza blickt kritisch auf die Entwicklung der vergangenen Jahre, die von herben Ernteverlusten nach Trockenheit, Hagel und Spätfrösten geprägt waren.

Andreas Clauß vom Thüringer Weingut Bad Sulza blickt kritisch auf die Entwicklung der vergangenen Jahre, die von herben Ernteverlusten nach Trockenheit, Hagel und Spätfrösten geprägt waren.

Foto: Sascha Margon

Gerade einmal drei Wochen ist es her, dass das Thüringer Weingut Bad Sulza, in die diesjährige Weinlese startete. Nach der Ankündigung von Dauerregen in den kommenden Tagen wurden gestern schnellstens die letzten Trauben aus den Weinbergen geholt. „Damit haben wir in diesem Jahr eine der kürzesten Ernten überhaupt hinter uns gebracht“, erklärt Andreas Clauß gegenüber dieser Zeitung. Der Winzer begründet dies hauptsächlich mit dem geringem Ertrag auf den knapp 50 Hektar des Weingutes. So gaben die Rebstöcke in diesem Jahr gerade einmal die Hälfte der Trauben her, die im vergangenen Jahr gelesen wurden. Gleichwohl dieses ebenfalls mit einer schlechten Bilanz abschloss. Vor allem die späten Nachtfröste im Mai haben zum diesjährigen Ertragsverlust maßgeblich beigetragen. Die Pflanzen verloren dabei ihre ersten Triebe und konnten erst spät im zweiten Auge noch einmal austreiben. Vielen Trauben reichte allerdings diese Zeit zur vollen Reife nicht aus.

Ein wenig besorgniserregend bezeichnet Clauß deshalb die Situation, was sich am Beispiel des Müller-Thurgau sogar ganz konkret in Zahlen ausdrücken lässt: Kommen von der Weinsorte in normalen Jahren gut 50.0000 bis 60.000 Liter in die Fässer, sind es in diesem Jahr gerade einmal 18.000 Liter.

Einen Lichtblick gibt es für Andreas Clauß trotz der dürftigen Ernte aber dennoch. Denn die Qualität der Früchte zeigt sich mit hohem Zuckergehalt und guten Säurewerten als recht erfreulich. Demnach dürfte auch der Jahrgang 2020 wieder sehr gute Weine hervorbringen, ist sich der aus Schwaben stammende Winzer sicher. Erst in der vergangenen Woche wurde das Weingut wieder mit mehreren Auszeichnungen überhäuft. Bei der Bundesweinprämierung erlangten unter anderem der 2018er Weißburgunder und der 2019 Auxerrois die Goldmedaille. Für den 2018 Traminer Eiswein gab es sogar die Höchstpunktzahl und damit ebenfalls Gold. Zudem wurden der 2018er Chardonnay, der 2017 Frühburgunder/Rotwein und der 2016 Weißburgundersekt vom Jenaer Grafenberg mit Silber bedacht.

Ob wegen des schlechten Ertrages und der zeitgleichen Steigerung der Qualität die Spitzenweine aus der Region künftig nicht mehr bezahlbar sind, darauf antwortet Clauß: „Wir mussten in der Tat im September die Preise moderat anpassen, um die herben Verluste der letzten Jahre ein wenig auszugleichen“, erklärt er auf Nachfrage.

Gleichwohl treibt den Fachmann aber auch die Angst um, was denn die nächsten Jahre bringen werden. Weitere Dramen wie Trockenheit, Spätfröste, Hagel oder eine andere Plage würden durchaus an die Substanz gehen. Zwar habe man in den vergangenen Jahren viel investiert, Flächen, Fuhrpark und Weinkeller bestens ausgestattet, allein ein erneuter brutaler Ernteausfall würde die Luft nach oben für das Unternehmen dünner machen, heißt es. „Wir werden zwar erst einmal über die Runden kommen. Aber wir sind am Ende ja auch nicht nur vom Wetter abhängig, sondern beispielsweise von den Corona-Schutzmaßnahmen gleichermaßen. Dann nämlich, wenn unsere Abnehmer in der Gastronomie nichts verkaufen dürfen, weil Restaurants und Gaststätten geschlossen bleiben müssen“, gibt der Winzer zusätzlich zu bedenken.