Bewerberin der Linken möchte Hartz IV abschaffen

Eisenach  Sigrid Hupach aus dem Eichsfeld stellt sich in Eisenach vor, unterstützt von Ministerpräsident Bodo Ramelow. Sie will es zum zweiten Mal in den Bundestag schaffen

Sigrid Hupach (rechts) bewirbt sich für das Direktmandat im Wahlkreis 190. Sie beantwortete am Dienstag Fragen von Susanne Hennig-Wellsow.

Sigrid Hupach (rechts) bewirbt sich für das Direktmandat im Wahlkreis 190. Sie beantwortete am Dienstag Fragen von Susanne Hennig-Wellsow.

Foto: Birgit Schellbach

Hüpfburg und Kinderkarussell sind aufgebaut, es gibt Zuckerwatte und man kann Shisha-Pfeife rauchen. Die Linken stellen am Dienstag auf dem Markt ihre Direktkandidatin für den hiesigen Wahlkreis, Sigrid Hupach, vor. Doch die Zahl der Zuhörer ist bescheiden.

Ob sonst mehr Publikum kommt? „Das ist unterschiedlich, aber für eine Stadt wie Eisenach ist es wirklich wenig“, sagt Hupach. Die Eichsfelderin, die 2013 über die Thüringer Landesliste der Linken in den Bundestag eingezogen ist, möchte ihre Arbeit in einer weiteren Legislaturperiode fortsetzen. Sie versucht eine Erklärung für die mangelnde Resonanz: „Viele Menschen sind resigniert und der Meinung, dass sie von den Politikern nicht mehr vertreten werden.“

Eisenachs Oberbürgermeisterin Katja Wolf (Linke) hingegen vermisste die Werbung für die Veranstaltung und entsprechende Plakate in der Stadt, auf denen man hätte aufmerksam machen sollen, dass auch Bodo Ramelow spricht. Denn der linke Ministerpräsident ist das Zugpferd an diesem Nachmittag. Als er ans Mikrofon tritt, füllt sich der Platz vor der Bühne etwas mehr. Er möchte Familien mehr unterstützen und nennt als Beispiel das letzte Kindergartenjahr vor der Schule, das in Thüringen ab 1. Januar 2018 gebührenfrei sein wird. Er spricht sich dafür aus, dass diejenigen, die mehr Geld haben, auch mehr Steuern zahlen sollten. Im Moment sei es so, dass sie alle Möglichkeiten hätten, sich ihrer Steuerlast zu entziehen – im Gegensatz zum normalen Lohn- und Gehaltsempfänger. Ramelow plädiert für eine „moderne“ Bürgerversicherung, für die jeder seinen Beitrag leisten müsse.

Soziale Gerechtigkeit ist das große Thema, das sich die Linken auf die Fahnen geschrieben haben. „Wir sind die Einzigen, die wirklich dafür einstehen“, ist von Sigrid Hupach zu hören. Sie wird auf der Bühne von Susanne Hennig-Wellsow, der Landesvorsitzenden der Linken in Thüringen, befragt. Hupach nennt Kulturpolitik als Schwerpunkt ihrer Arbeit. Auf die Frage, was sie machen würde, wenn sie für einen Tag Bundeskanzlerin wäre, antwortet die Bundestags-Bewerberin: „Ich würde Hartz IV abschaffen und eine sanktionsfreie Grundsicherung für alle einführen.“ Für Westthüringen wünscht sich die 48-Jährige „kulturelle Teilhabe bis in das letzte Dorf“.

Zum Wahlkreis 190 gehören Eisenach, der Wartburgkreis und der Unstrut-Hainich-Kreis. Insgesamt gibt es neun Bewerber für das Direktmandat.

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