Diskussion auf Schloss Ettersburg: Darf man in Deutschland wieder rechte Positionen vertreten?

Weimar  Auf Schloss Ettersburg trifft Karlheinz Weißmann, führender Vertreter der Neuen Rechten, auf den sich als links verstehenden Verleger und Publizisten Jakob Augstein.

Über das Thema „Neue Rechte, Neue Linke“ diskutierten in Ettersburg Jakob Augstein (rechts), Peter Krause (Moderator, Mitte) und Karlheinz Weißmann.

Über das Thema „Neue Rechte, Neue Linke“ diskutierten in Ettersburg Jakob Augstein (rechts), Peter Krause (Moderator, Mitte) und Karlheinz Weißmann.

Foto: Hanno Müller

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Beide Gesprächspartner kommen im ausverkauften Gewehrsaal auf Schloss Ettersburg sofort auf Streittemperatur. Für Karlheinz Weißmann gelten alte Zuschreibungen wie liberal, konservativ, Sozialist oder Demokrat nicht mehr. Daher brauche es eine neue politische Sortierung. Im Zweifel wüssten die Bürger, ob sie eher in der Mitte beziehungsweise auf der linken oder rechten Seite stehen.

Jakob Augstein erwidert, wer heute behaupte, es gebe kein Links oder Rechts mehr, sei auf keinen Fall ein Linker. Dass in der Politik Vernunft und Ausgleich walten müssten, sei Unsinn. Politik lasse sich nicht auf klar abgrenzbare Probleme und deren Lösung reduzieren, sie lebe vom Widerstreit verschiedener Interessen. Wer hier besänftige, betreibe Depolitisierung.

Es ist ein bemerkenswertes Podium, zu dem Pfingst-Festival-Leiter und Moderator Peter Krause eingeladen hat. Auf der einen Seite Jakob Augstein, Publizist und wichtiger linker Wortführer im Land. Auf der anderen Seite der Theologe und Lehrer Karlheinz Weißmann, den Krause als Vor- und Nachdenker der Neuen Rechten und Verfechter einer „Kulturrevolution von rechts“ vorstellt. Dabei geht es um die Frage, inwiefern es wieder legitim ist, rechte Positionen offen zu vertreten.

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Gefragt nach dem Verhältnis von alter und neuer Rechte, betont Weißmann, die Vertreter Letzterer seien weder NS-Nostalgiker noch Militaristen oder Antisemiten, die Kolonien oder Ostgebiete wiederhaben wollten. Eine große Rolle spielten dagegen Nation und Identität. Linke hätten sich dran gewöhnt, nur mit ihresgleichen darüber zu bestimmen, wer etwa in Medien zu Diskussionen oder Ämtern zugelassen wird. Er scheue sich nicht, die Opposition dagegen als rechts zu bezeichnen.

Viele Themen werden angesprochen. Er könne kein politisches Interesse an der Migration erkennen, sagt Weißmann. Deutschland brauche Zuwanderung, um seinen Wohlstand zu halten, erwidert Augstein. Als typisch links bezeichnet Weißmann das Festhalten an der deutschen Schuld. Augstein hält dagegen, Linke hätten damit längst ihren Frieden gemacht. Es seien die Rechten, die den „Schuldkult“ neurotisch immer wieder zum Thema machten.

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Immer mit im Raum: die AfD. Ihr Erstarken gehe mit der Schwächung der Linken einher, sagt Augstein. Vieles an der AfD sei geschmacklos, als politische Kraft sei sie sinnlos, da sie keine Antworten auf die Gegenwart gebe. Sie bewirke aber, dass man sich wieder positionieren müsse. Er wolle die AfD anschlussfähig an die Moderne machen, wirft Augstein Weißmann vor.

Der prophezeit, dass die AfD früher oder später zur mitgestaltenden politischen Alternative werden wird. „Man wird der Rechten wieder zuhören müssen“, so der Theologe.

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