Luther hat im Holzmuseum Einzug gehalten

Frankenroda  Inhaber Rudi Gast entdeckte einen Holz-Spruch aus den Tischreden und lässt Holzgeister über den Tintenfleck fliegen

Rudi Gast aus Frankenroda betreibt in einem Fachwerkhaus mit Scheune ein Museum für Holz und Hämmer.Fotos: Birgit Schellbach (4)

Rudi Gast aus Frankenroda betreibt in einem Fachwerkhaus mit Scheune ein Museum für Holz und Hämmer.Fotos: Birgit Schellbach (4)

Foto: Birgit Schellbach (4)

Luther lässt selbst im privaten Museum für Holz und Hämmer in der Carl-Grübel-Straße von Frankenroda grüßen. Inhaber Rudi Gast hat auf einem Trödelmarkt in Friedrichroda einen Spruch des Reformators aus dessen Tischreden zum Thema Holz entdeckt.

„Holtz“, so hat Luther verfasst, „nimet so zu mancherley brauch für alle Menschen in der gantzen weiten Welt“. Er zählt auf: „Bauholtz, Brenholtz, Tischlerholtz, Böttigerholtz, Stellmacherholtz, holtz zu Stuben, Schubkarn, Schauffeln, zu hölzernen Kandelen, zu Fassen und Geldten.“ Geldten, so hat Rudi Gast nachgeschlagen, sind hölzernen Waschbottiche.

Der Spruch passt perfekt zum Hobby des 70-Jährigen, denn er sammelt nicht nur Holz in ungewöhnlichen Formen und Maserungen, mit Verwachsungen, eingeschlossenen Steinen oder Fraßspuren von Schädlingen, sondern stellt auch Zitate zu den Themen Holz und Wald zusammen. Und eben jener Luther-Spruch hängt jetzt gerahmt an der Scheunen-Wand.

Dazu hat Rudi Gast aus seiner Sammlung von über 500 Hämmern verschiedenster Gewerke einen vergleichsweise kleinen Hammer gehängt. In der Zeitung hat er den Wittenberger Hammer gesehen, mit dem Luther seine 95 Thesen an die Kirchentür genagelt haben soll. Das Frankenrodaer Exemplar sieht dem schlagkräftigen Instrument täuschend ähnlich, versichert der 70-Jährige. Und so manchem Gast konnte er schon glaubhaft vermitteln, dass es aus dem Jahr 1521 stammt. Ein weiterer Bezug zu Luther findet sich hoch oben unterm Dach des benachbarten Fachwerkhauses. Dort hat der Museumschef die Sage vom Wurf des Tintenfasses nach dem Teufel nachgestaltet: Bei ihm sind die Geister, die Luther bei der Übersetzung der Bibel auf der Wartburg erschienen sein sollen, natürlich aus Holz. Sie schweben über der Szenerie. In dem ungewöhnlichen Museum ist aber noch viel mehr zu entdecken. Ein Flüsterrohr aus einem Blauglockenbaum beispielsweise. Die Äste sind innen hohl, das heißt, der Schornsteinfeger hat mit einem Acht-Millimeter-Glasfaser-Besen etwas nachgeholfen. Kinder können jetzt auf der einen Seite leise Wörter hineinsprechen, die nach 4,50 Metern auf der anderen Seite gut zu hören sind.

Kleine Besucher entdecken Tausendfüßler, Ente, Möwe oder Krake. Oder von der Decke hängende Schinken. Es ist alles aus Holz: mit dicken Beulen oder verwachsenen Astlöchern, zerrissen, verknotet, gefaltet. „Die Bäume entwickeln immer, wenn sie Wunden haben, Selbstheilungskräfte“, sagt Rudi Gast.

Die Druiden etwa schworen auf Heil- und Wunderkräfte von „Knubbeln“, die der Frankenrodaer von diversen Bäumen pflückt wie Balsampappel, Lederhülsenbaum oder Scheinbuche. Manchmal braucht es auch Werkzeug. Aus der Rinde von Schwarzpappeln fertig Rudi Gast dekorative Anhänger. Auch Schalen, Bilder oder Teelichter gibt es im Museumsshop.

Bei der Vielzahl an Hämmern fehlt Rudi Gast übrigens noch ein Exemplar aus Bronze. Und er erzählt, dass Leute, die von seinem Hobby wissen, schon mal das eine oder andere besondere Stück Holz auf den Hof gelegt haben.

Besuchstermine für das Museum vereinbar unter Telefon: (036924) 3 09 90

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