Neuzugang aus altem Eisen: Lanz Bulldog im Freilichtmuseum Hohenfelden

Hohenfelden  Im Freilichtmuseum Hohenfelden steht jetzt einer der ersten legendären Bulldogs der Heinrich Lanz AG.

Zusammen mit Kater Benny wirft Leiterin Franziska Zschäck einen Blick in die Scheune, in der der fast einhundert Jahre alte Lanz Bulldog – jüngster Neuzugang des Freilichtmuseums Hohenfelden – vorerst Unterschlupf gefunden hat.

Zusammen mit Kater Benny wirft Leiterin Franziska Zschäck einen Blick in die Scheune, in der der fast einhundert Jahre alte Lanz Bulldog – jüngster Neuzugang des Freilichtmuseums Hohenfelden – vorerst Unterschlupf gefunden hat.

Foto: Sibylle Göbel

Das Thüringer Freilichtmuseum Hohenfelden (Weimarer Land) hat ein neues Schätzchen: einen Lanz Bulldog HL 12, gebaut zwischen 1921 und 1927. Eine robuste Zugmaschine, von der damals insgesamt 6030 Exemplare hergestellt, aber nur wenige so wie der Schlepper in Hohenfelden in Eisen ausgeführt wurden.

Seit den 70er-Jahren stand der 12er Lanz auf dem Hof des Volkskundemuseums in Erfurt, wo er Wind und Wetter ausgesetzt, dem Museum in Hohenfelden aber schon lange als Dauerleihgabe versprochen war. Vor Kurzem bot sich dann endlich die Möglichkeit, den Urvater aller deutschen Glühkopftraktoren von einem Abschleppunternehmen nach Hohenfelden umsetzen zu lassen. Denn von allein rollt der Zweitonner keinen Millimeter mehr.

Seither steht er gut geschützt in einer Scheune – neben weiteren Ackerschleppern aus dem Museumsbestand – und darf damit rechnen, von kundigen Händen zumindest soweit wieder flott gemacht zu werden, dass sich seine Räder bewegen und er sich ziehen lässt. Museumsleiterin Franziska Zschäck vertraut da auf die Fähigkeiten von Horst Kolodziej vom Traktoren- und Landmaschinenverein Kirchheim (Ilm-Kreis), mit dem das Museum schon seit vielen Jahren gut zusammenarbeitet und jedes Jahr einen Traktoren- und Oldtimertag veranstaltet. Aber auch auf den Rat von Reinhard Hüttig, der in Wersdorf bei Apolda sogar einen Lanz-Bulldog-Hof hat und alle zwei Jahre ein Trecker-Fest veranstaltet.

Ob der Neuzugang des Freilichtmuseums jemals wieder tuckert, hängt davon ab, wie viele Teile ihm inzwischen fehlen und was deren Wiederbeschaffung kostet. „Zwei-, dreitausend Euro wären machbar, zehntausend aber nicht“, beschreibt Franziska Zschäck die engen finanziellen Grenzen, die dem Museum gesetzt sind.

Auf jeden Fall aber soll das gute Stück, das jüngst schon bei den männlichen Mitstreitern des Museumsfördervereins für leuchtende Augen sorgte, eines Tages in der Fahrzeughalle präsentiert werden, die auf dem etwa acht Hektar großen Erweiterungsgelände unterhalb des Museumsdorfs Am Eichenberg entstehen soll. „Fahrzeughalle ist eigentlich zu viel gesagt“, konkretisiert Franziska Zschäck.

„Es handelt sich um eine alte Scheune aus Hopfgarten, die in Einzelteile zerlegt schon vor Ort ist.“ In dieser Scheune sollen dann auch die anderen museumseigenen Fahrzeuge, darunter zwei Eigenbau-Traktoren und zwei historische Leichenwagen, einen Platz finden. Wann es mit dem Bau der Scheune losgeht? „Sobald jemand mit einer halben Million Euro vorbeikommt“, antwortet die Museumsleiterin augenzwinkernd. Ganz sicher aber „innerhalb der nächsten zehn Jahre“.

Bereits im April 2019 beginnt die Museumsmannschaft auf der Erweiterungsfläche aber damit, die Fundamente für das älteste erhaltene ländliche Wohnhaus Thüringens aus Abtsbessingen (Kyffhäuserkreis) und das Frankenwaldhaus aus Heinersdorf bei Sonneberg zu verlegen.

Der Fördermittelbescheid über 660.000 Euro vom Bund ist inzwischen eingetroffen, die Verhandlung mit der Landeskirche um eine etwa zwei Fußballfelder messende Ackerfläche derweil noch nicht beendet. Die Kirche ist nicht bereit, das Areal gegen ein gleichwertiges Ackerland einzutauschen, der Kreistag des Weimarer Landes aber wiederum strikt gegen den von der Kirche angebotenen Erbbaurechtsvertrag, weil er den Erbpachtzins für zu hoch und die Vertragsdauer für zu kurz hält. „Das behindert uns jetzt aber nicht“, sagt die Museumsleiterin. „Wir hätten eben nur gern Planungssicherheit.“

Wirklich ärgerlich sei hingegen, dass das Museum in diesem Supersommer wetterbedingt um die 5000 Besucher weniger als im Vorjahr zählte und die Bilanz mit nur rund 24.000 Gästen deutlich hinter den Erwartungen blieb: Während es am Thüringer Schäfertag mit Temperaturen um die 40 Grad vielen Stammgästen zu heiß war, nieselte es zum Käsemarkt und beim Erntefest goss es sogar in Strömen – dabei sind alle drei Veranstaltungen eigentlich Publikumsmagneten. „Damit haben wir zwar den Ruf eingebüßt, immer gutes Wetter zu haben“, sagt Franziska Zschäck, „aber wir halten trotzdem am bewährten Programm mit fünf Großveranstaltungen in der Saison fest.“