Pflegenotstand in Thüringen: Kein Platz im Heim

Erfurt  Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt. Aus Personalnot müssen Heime immer mehr Anfragen abweisen.

Eine Pflegekraft geht in einem Pflegeheim mit einer älteren Dame.

Eine Pflegekraft geht in einem Pflegeheim mit einer älteren Dame.

Foto: Christoph Schmidt/DPA

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Drei von vier Pflegeheimen konnten in den vergangenen drei Monaten mindestens eine Anfrage nach einem vollstationären Heimplatz nicht bedienen, 68 Prozent mussten Ersuchen zur Kurzzeitpflege ablehnen. Das geht aus einer Befragung der Evangelischen Bank (EB) unter den Betreibern von rund 1300 Pflegeheimen in ganz Deutschland hervor. Die Ergebnisse decken sich mit Angaben des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste in Thüringen (bpa). Danach warten Pflegebedürftige auch auf mobile Pflegedienste inzwischen mehrere Monate.

Abgewiesen werde nicht nur aus Kapazitätsgründen. „Jede fünfte Einrichtung musste sich einen Belegungsstopp verordnen, weil das nötige Personal fehlte. In Zukunft wird sich die Lage noch verschärfen“, erklärt EB-Vorstandsmitglied Christian Ferchland. In mehr als der Hälfte der Pflegeheime gibt es der Studie zufolge im Schnitt sechs offene Stellen für Pflegefachkräfte. Betroffen sind vor allem größere Pflegeeinrichtungen, bei kleineren Trägern ist die Mitarbeiterbindung oft größer.

Einrichtungen stehen unter Kostendruck

Finanzielle Spielräume für höhere Gehälter sehen die Heimverantwortlichen kaum. Mit einer Belegungsquote von im Schnitt 90 Prozent seien die Heime zwar gut ausgelastet, erst ab 94 Prozent könne man jedoch von einem wirtschaftlichen Betrieb sprechen. „Viele Einrichtungen stehen unter Kostendruck. Mehr zahlen können sie nicht. Hier sind politische Entscheidungen gefragt“, sagt Ferchland.

Statt auf überdurchschnittliche Bezahlung setzten die meisten Pflegeheimbetreiber auf eine wertschätzende Unternehmenskultur, eigenständiges Arbeiten und Möglichkeiten zur Weiterentwicklung.

Pflegende Angehörige sind oft am Limit und bekommen zu wenig Unterstützung

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