Rigobert Möllers: "Die Lehrpläne werden kontinuierlich weiterentwickelt"

Ein Gespräch mit Rigobert Möllers, dem Sprecher des Institutes für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (Thillm).

"Noch immer hängt der Bildungserfolg stark vom Elternhaus ab", so Rigobert Möllers. Archivfoto: Alexander Volkmann

"Noch immer hängt der Bildungserfolg stark vom Elternhaus ab", so Rigobert Möllers. Archivfoto: Alexander Volkmann

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Wie ist der Erfolg zu erklären, was machen die ostdeutschen Bundesländer in ihren Schulen anders als andere Bundesländer?

Offenbar gelingt es Lehrern und Lehrerinnen, eine gute Mischung aus kooperativen Lernformen und Frontalunterricht mit klaren Instruktionen zu verbinden, das ist zumindest ein wesentliches Wirksamkeitskriterium.

Eine hohe fachliche Profession ist aus wissenschaftlicher Sicht ebenfalls ein Erfolgsgarant. Um diese Profession auf dem Niveau zu halten unternimmt das Land große Anstrengungen im Bereich der Fortbildung. 2012 waren es allein 847 Veranstaltungen (rund 70 im Monat) auf landesweiter und regionaler Ebene im mathematisch-naturwissenschaftlichen Aufgabenfeld.

Gibt es hinsichtlich des Bildungserfolges noch Nachwirkungen des DDR-Schulsystems?

Mehrheitlich unterrichten Lehrerinnen und Lehrer, die in der DDR ausgebildet wurden, das ist ein Fakt. Jedoch hat sich das schulische und häusliche Umfeld seit dem Ende der DDR sehr gewandelt, sodass es zu kurz greift, diesen berufsbiografischen Aspekt für das sehr erfreuliche Ergebnis verantwortlich zu machen. Bereits nach der Einführung der neuen Lehrplangeneration im Jahr 1999 gab es eine repräsentative Schülerbefragung durch die Universität Zürich, Fachbereich Schulqualität und -entwicklung, bei der Schülerinnen und Schüler ausdrücklich die schülerzentrierten Unterrichtsmethoden als sehr positiv bewerteten. Wenn sich Umfeldbedingungen in der Schule so gravierend ändern wie in den letzten beiden Jahrzehnten, dann können Lehrkräfte nur darauf reagieren, indem sie ihre Unterrichtskonzepte darauf einstellen, sonst wären sie gescheitert und das sind sie offenbar nicht - im Gegenteil.

Garantieren Lehr- und Stundenpläne, dass der Erfolg auch bei künftigen Leistungstests garantiert ist?

Lehrpläne werden im Thillm mit den Fachlehrerinnen und Fachlehrern gemeinsam entwickelt, es gibt Erprobungsfassungen, Verbände wie der MNU geben Stellungnahmen dazu ab. Es gibt also eine breite Diskussionsbasis, in deren Folge Lehrpläne entstehen, die dann erst nach einer angemessenen Praxisphase endgültig in Kraft gesetzt werden. Wenn ein Fach wie MNT in der 5/6 neu dazu kommt, so ist der dazugehörige Lehrplan Mensch-Natur-Technik nunmehr seit 2009 in der Erprobung und noch nicht in Kraft gesetzt, sodass eventuell notwendige Anpassungen erfolgen können.

Generell werden Lehrpläne kontinuierlich weiterentwickelt.

Nach welchen Kriterien finden die Änderungen in den naturwissenschaftlichen Fächern statt?

Die Änderungen in den Thüringer Lehrplänen orientieren sich konsequent an den nationalen Bildungsstandards, sie sind abschlussbezogen differenziert.

Die Ziele werden in der Regel für Doppeljahrgangsstufen beschrieben. Eine Ausnahme bilden die 9. Klassen beim Hauptschulabschluss. Hintergrund ist, dass so mehr Raum für individuelle Förderung geschaffen wird, um möglichst vielen Schülern das Erreichen der Ziele zu ermöglichen. Noch immer hängt der Bildungserfolg stark vom Elternhaus ab.

In den Klassenstufen 5 und 6 werden Schülerinnen und Schüler stärker für naturwissenschaftliche Phänomene motiviert. In den Klassenstufen 7/8 und 9/10 differenziert sich der Unterricht dann aus.

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