Zehn FSME-Risikogebiete in Thüringen – Zeckenforscher raten zur Schutzimpfung

Gera  Die Gefahr, sich in Thüringen durch einen Zeckenbiss mit dem FSME-Erreger zu infizieren, ist im Osten und Süden des Landes am größten. Experten tauschen ab heute in Weimar neueste Erkenntnisse aus.

Eine Zecke sitzt auf einem Daumennnagel. Archivfoto: Alexander Volkmann

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Die Zahl der sogenannten FSME-Risikogebiete, also der kreisfreien Städte und Landkreise, in denen das Frühsommer-Meningoenzephalitis-Virus (FSME) durch Zecken besonders häufig übertragen wird, ist in Thüringen im Vergleich zu 2018 zwar nicht gestiegen. Mit den Städten Gera und Jena sowie den Landkreisen Saale-Holzland, Saale-Orla, Greiz und Saalfeld-Rudolstadt liegen aber gleich sechs der zehn Risikogebiete im Osten des Freistaats. Das teilten Zeckenforscher anlässlich eines heute in Weimar beginnenden dreitägigen Internationalen Kongresses mit.

Da von den knapp 600 im Vorjahr in Deutschland erfassten FSME-Fällen 31 außerhalb der ausgewiesenen Gebiete auftraten, raten die Wissenschaftler bundesweit zu einer FSME-Schutzimpfung. „Nimmt die Erkrankung bei nicht geimpften Personen nämlich einen schweren Verlauf, kann die Medizin nichts dagegen tun“, sagte Jochen Süß, der die Konferenz mit fast 200 Wissenschaftlern leitet. Ein bis zwei Prozent der FSME-Fälle verliefen tödlich. Im vergangenen Jahr sei allerdings in Deutschland kein Todesopfer zu beklagen gewesen.

161 FSME-Risikogebiete in Deutschland

Bundesweit hat sich die Zahl der FSME-Risikogebiete innerhalb von 20 Jahren mehr als verdoppelt: 1998 wies das Robert-Koch-Institut noch 63 dieser Regionen aus, aktuell sind es 161. Nahezu flächendeckend betroffen sind Bayern und Baden-Württemberg, doch selbst im Emsland im Nordwesten der Bundesrepublik treten inzwischen vereinzelt FSME-Erkrankungen auf.

Keine Schutzimpfung gibt es gegen die ebenfalls von Zecken übertragene Borreliose. Allerdings kann diese Erkrankung gut mit Antibiotika behandelt werden. Jährlich werden in Thüringen zwischen 400 und 700 Borreliose-Fälle registriert. Die Zahl der FSME-Erkrankungen belief sich im Vorjahr dagegen auf zwölf (2016 und 2017 jeweils acht Fälle). Zeckenforscher Jochen Süß zufolge sind etwa 10 bis 20 Prozent der Zecken mit Borrelien und 0,1 bis 2 Prozent mit dem FSME-Virus belastet.

Wie viel die FSME-Immunisierung bewirkt, lasse sich am Beispiel Österreichs ablesen: Dort liege die Durchimpfungsrate bei bis zu 86 Prozent, die Zahl der Erkrankungen dagegen bei nur 50 bis 100 jährlich. Vor Jahren, als sich noch nicht so viele Menschen impfen ließen, seien es jeweils um die 700 gewesen.

Eine seriöse Prognose für die Zeckensaison 2019 können die Forscher nicht abgeben. Aber sie vermuten, dass der Sommer 2018 den heimischen Arten – allen voran dem Gemeinen Holzbock und der Auwaldzecke – zu trocken war und die Population dezimierte.

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