Vorbereitungen für den Moscheebau in Erfurt laufen: Arbeiten werden von Hetze begleitet

Erfurt  Es gibt noch keinen Termin für die Grundsteinlegung des Gotteshauses der Thüringer Ahmadiyya in diesem Jahr. Parallele Bauvorhaben unter anderem in Fulda und Wiesbaden.

Mohammad Suleman Malik auf dem Baugelände für die Moschee in Erfurt-Marbach.

Mohammad Suleman Malik auf dem Baugelände für die Moschee in Erfurt-Marbach.

Foto: Hanno Müller

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Auf dem Moschee-Gelände im Ortsteil Marbach laufen die Vorbereitungen für den Baubeginn. Bagger haben große Mengen Erdreich abgetragen. Man erfülle damit die Auflagen eines Gutachtens vom Frühjahr 2018, demzufolge auf dem Gelände seltene Feldhamster vorkommen, sagt der Sprecher Thüringer Ahmadiyya-Gemeinde, Mohammad Suleman Malik. Nach MDR-Informationen sollte den Tieren Zeit bis zum Spätsommer gelassen werden, um ihre Jungen aufzuziehen. Laut Malik hätten Tierschützer inzwischen festgestellt, dass die Hamster-Behausungen wieder verlassen sind. Um eine Rückkehr der Tiere zu verhindern, würden nunmehr die Grasnarbe und die oberste Bodenschicht entfernt. „In den letzten zwei Wochen hat eine Baufirma diese Auflage erfüllt, aus welchem Grund auch die Bagger auf dem Gelände zu sehen waren. Außerdem wurden Gehölze geschnitten und Grünabfälle vom Gelände entfernt“, erklärt Malik.

Ausgeführt werden die Arbeiten von einer Baufirma aus dem Rhein-Main-Gebiet. Man habe mehrere Thüringer Firmen angesprochen, sobald das Gespräch auf den geplanten Moscheebau gekommen sei, hätten diese aber abgesagt. Auch für den wertvollen Mutterboden habe man in Thüringen bisher keinen Abnehmer gefunden.

Einen konkreten Termin für die Grundsteinlegung zur Erfurter Moschee gebe es noch nicht, sagt Malik. Man werde aber noch in diesem Jahr mit dem Bau beginnen. Der Bauantrag war im März 2017 eingereicht worden, die Baugenehmigung liegt seit Anfang 2018 vor. Aktuell baue die Ahmadiyya auch in Fulda und Wiesbaden. Alle Vorhaben müssten miteinander koordiniert werden.

Gemeinde sieht sich von Behörden allein gelassen

Laut Malik sind die Bauarbeiten in Thüringen begleitet von massiver Hetze und Beschimpfungen sowohl am Gelände als auch in sozialen Netzwerken. „Während der Arbeiten kam es häufig zu Beleidigungen und Zwischenfällen. Die Bauarbeiter sowie Baufahrzeuge wurden gefilmt, fotografiert und die Bilder ins Internet gestellt, wo ebenfalls beleidigende Kommentare zu lesen sind. Regelmäßig stehen Demonstranten vor dem Moscheegelände. Die Versammlungen unter der Bezeichnung ,Gottesdienst‘ werden genutzt, um gegen Muslime zu hetzen. „Hier fordern wir mehr Aufmerksamkeit und Sensibilität vonseiten der Behörden“, so der muslimische Gemeinde-Sprecher. Unter anderem werden die Gläubigen in einem Internet-Beitrag mit Ratten verglichen, die das Gelände nach den Hamstern heimgesucht hätten. Im Kurznachrichtendienst Twitter tauchte gar die Forderung auf, als Grundstein eine Splitterbombe zu verwenden, dies erleichtere den Abriss.

Gegen das religiöse Gebäude gibt es immer wieder Proteste. Zuletzt kam es zu einer Demo von Maskierten durch Marbach, bei der die Erfurter Stadträtin Astrid Rothe-Beinlich (Grüne) vor ihrem Haus bedroht wurde. Auch ein Schweinekadaver wurde schon auf dem Baugelände abgelegt. Die Angriffe seien belastend, man lasse sich aber nicht unterkriegen, sagt Malik. „Meine Familie ist seit vielen Jahren in Thüringen. Man kann uns nicht vertreiben.“

Die Ahmadiyya-Gemeinde in Thüringen hat knapp 100 Mitglieder, die die Moschee nutzen wollen. Geplant ist ein Flachbau mit Kuppel und Zierminarett.

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