Hund oder Wolf – wer ist schlauer?

Jena  Mit den kognitiven Fähigkeiten der Tierarten hat sich eine internationale Studie befasst. Das Jenaer Max-Planck-Institut war beteiligt.

Dr. Juliane Bräuer ist bereits seit 20 Jahren den Vierbeinern verfallen.

Foto: privat

Hund und Wolf haben viel gemeinsam. Den Körperbau beispielsweise, einige typische Verhaltensweisen, und auch den exzellenten Geruchs- und Gehörsinn. Ein Forscher-Team, zu dem auch Juliane Bräuer vom Jenaer Max-Planck-Institut gehört, hat nun herausgefunden, dass Wölfe im Vergleich zu Hunden die clevereren Tiere sind – und den Zusammenhang von Ursache und Wirkung verstehen können. „Wir vermuten, dass die Domestizierung möglicherweise Auswirkung auf die kognitiven Fähigkeiten von Hunden hatte“, erklärt Bräuer.

Hunde, so die 41-jährige Wissenschaftlerin weiter, seien seit ewigen Zeiten darauf eingestellt, ihr Futter vorgesetzt zu bekommen. „Wölfe dagegen müssen sich mit ihrer Umwelt auseinander setzen und ihre Nahrung suchen“, erklärt Bräuer. Die Tests wurden von einer Expertengruppe aus Österreich, den Niederlanden, Deutschland und Großbritannien durchgeführt, die Idee dazu entstand bereits vor zwölf Jahren.

Am Wolf-Center der Veterinärmedizinische Uni Wien wurde das Agieren von insgesamt 14 Hunden und 12 Wölfen verglichen. Analysiert wurde, ob die Tiere auf Blicke oder einen Fingerzeig reagieren können, um ihr Futter zu finden. Bei einem weiteren Experiment mussten die Tiere erkennen, dass ein mit Futter gefüllter Becher beim Schütteln ein Geräusch erzeugt.

Das Ergebnis: Sowohl Hunde als auch Wölfe konnten die Hinweise auf das Futter nutzen. Dagegen versagten die Hunde jedoch beim Schütteltest. „Die Wölfe scheinen ein Verständnis für Ursache und Wirkung entwickeln zu können“, erklärt Bräuer. „Wenn die Tiere überhaupt keine Hinweise bekamen, dann fanden weder Wolf noch Hund das Futter“ – somit konnte ausgeschlossen werden, dass die Tiere die Belohnung vielleicht nur erschnuppern.

Wann überhaupt die gemeinsame Geschichte von Mensch und Ur-Hund begann, ist unklar. Vermutlich hielten sich vor rund 20 000 Jahren die Wölfe in der Nähe menschlicher Rastplätze auf. Aber nicht, weil sie Kontakt suchten, sondern nur, um sich an den Abfällen zu laben. Warum man dann begann, die Tiere als Wächter und Jagdhelfer zu zähmen, ist ein weiteres Rätsel. „Zumal die beiden Spezies im Endeffekt Konkurrenten bei der Futtersuche waren“, gibt Bräuer zu bedenken.

Andererseits bedeuteten die Hunde auch Schutz vor anderen Raubtieren. Gleichzeitig entsorgten sie die Nahrungsreste im Lager, was wiederum der Hygiene zugute kam. Wahrscheinlich ist es ein Talent des Canis lupus familiaris, sich dem Verhalten des Menschen anzupassen. Manche sprechen gar von inniger Zuneigung. Heute jedenfalls können es fast acht Millionen Menschen in Deutschland nicht mehr ohne ihren Vierbeiner aushalten.

Für die Studien sucht das Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte regelmäßig Hunde. Infos unter (0364) 686935 oder per Mail: hundestudien@shh.mpg.de

Für die Studien sucht das Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte regelmäßig Hunde. Infos unter (0364) 686935 oder per Mail: hundestudien@shh.mpg.de

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