Ilmenauer Mini-Hubschrauber soll nach Naturkatastrophen helfen

Die Technische Universität Ilmenau entwickelt derzeit eine Technologie, mit der im Falle einer Naturkatastrophe die Mobilfunkkommunikation wiederhergestellt werden kann. Das zu diesem Zweck gegründete Graduiertenkolleg wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit 6,5 Millionen Euro gefördert.

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Ilmenau. Auf dem Rasen vor dem Universitätsgebäude in Ilmenau surrt es. Immer wieder startet der kleine Hubschrauber, dreht rasant seine Runden - und setzt vorsichtig in der Landezone wieder auf. Nach einer kurzen Pause, nach ein paar Handgriffen erhebt er sich federleicht wieder in die Lüfte.

Die Thüringer Universität testet derzeit den Einsatz sogenannter Quadrocopter für den Notfall. "Die Mini-Hubschrauber mit vier Rotorblättern sollen später nach Naturkatastrophen wie Erdbeben, Stürmen oder auch Überschwemmungen eingesetzt werden", erklärt Projektmitarbeiter Tobias Simon. So könnte beispielsweise die zerstörte Kommunikationsinfrastruktur für Handys und andere mobile Geräte schnell und effektiv wiederaufgebaut werden.

"Das Besondere an unserer Entwicklung ist, dass sich die neue Technologie selbst organisiert", erklärt der 26-jährige Doktorand weiter. Bei bis zu Windstärke 7 könnten die wendigen Hubschrauber starten, für einen rund 20-minütigen Flug reicht der Silizium-Hochleistungs-Akku. Ein Mini für schwierige Situationen: Gerade einmal 80 Zentimeter ist das Flugobjekt groß, vollgepackt mit Technik.

Ein integrierter Rechner verarbeitet in Sekundebruchteilen ankommende Signale, Antennen geben die Informationen weiter und gewährleisten die Verständigungen untereinander. Geht es nach den Ilmenauer Forschern, werden die Hubschrauber in das Notstands-Gebiet eingeflogen und bauen miteinander eine Art Luftbrücke auf. "Das System erkennt ohne menschliches Zutun, dass die Mobilfunkverbindung zusammengebrochen ist - und repariert das schadhafte Netz", erklärt Simon.

Durch eine neu W-Lan-Verbindung sei die Verständigung der Einsatzkräfte in kurzer Zeit wieder möglich. Doch auch für andere Gefahrensituationen sind die wendigen Hubschrauber bestens geeignet. So könnten im Katastrophengebiet beispielsweise auch Schwerverletzte geortet werden. In unübersichtlichen Gebirgen kann der surrende Quadrocopter ebenso eingesetzt werden wie in verwinkelten Straßenschluchten.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft war von der Arbeit des Graduiertenkolleg derart begeistert, dass sie die Projekte mit 6,5 Millionen Euro für die nächsten viereinhalb Jahre fördert. Für das Kolleg haben sich bereits 28 Doktorandinnen und Doktoranden aus insgesamt zehn Ländern qualifiziert. "Wir hoffen, dass die Technik in dieser Zeit ausgereift und einsetzbar ist", so Simon. Für Schülerinnen, die Lust haben sich die Technik anzuschauen, findet vom 26. Juli bis 1. August das "Quadrocopter Girls Camp" statt.

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