Im April beginnt das neue Forschungssemester im Hainich

Mülverstedt (Unstrut-Hainich-Kreis), Die Wissenschaftler aus ganz Deutschland ergründen die Artenvielfalt. Im TU München-Büro in Mülverstedt wird die Arbeit koordiniert.

Agraringenieur Steffen Both (links), Mikrobiologin Katrin Hartwich und Förster Maximilian Frei betreuen ab April wieder die Forschergruppen aus ganz Deutschland. Fotos: Daniel Volkmann

Agraringenieur Steffen Both (links), Mikrobiologin Katrin Hartwich und Förster Maximilian Frei betreuen ab April wieder die Forschergruppen aus ganz Deutschland. Fotos: Daniel Volkmann

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Von Weitem betrachtet, könnte HEW12 auch ein Trimm-Dich-Pfad sein. Dreizehn Baumstämme liegen auf dem Waldboden - einer neben dem anderen. Auf einem der Enden sitzen jeweils kleine, weiße Behälter. In einiger Entfernung liegen Plastikflaschen im Buchenlaub. Beim Näherkommen knackt das trockene Blattwerk unter den Stiefeln.

HEW12 ist eine von hundert Untersuchungsflächen des Biodiversitäts-Exploratoriums Hainich-Dün. Auf rund einem Hektar erforschen Wissenschaftler aus ganz Deutschland hier die Artenvielfalt der Tier- und Pflanzenwelt. HEW steht für "Hainich Exploratorium Wald".

Ihre Basisstation haben die Forscher in Mülverstedt. Für das Stammteam dort zuständig ist die Technische Universität in München.Momentan ist es noch recht ruhig in Mülverstedt. Das neue Forschungssemester im Hainich beginnt erst im April. "Und dann heißt es im Ort wieder: Die Käfersammler sind da", meint Maximilian Frei mit einem Augenzwinkern.

Maximilian Frei gehört zum Stammteam, das die Gruppen koordiniert und die Flächen betreut. Dazu gehöre auch, die Forscher über Jagdtage zu informieren. Oder zwischen Jägern und Wissenschaftlern zu vermitteln, die nachts Fledermausgeräusche aufnehmen möchten.

Knapp 80 Projekte mit mehr als 400 Forschern

Das Stammteam verwaltet die Ergebnisse der Projekte und hält Kontakt zu den anderen Exploratorien. Zwei weitere Regionen gibt es, in denen mit Geldern der Deutschen Forschungsgemeinschaft Artenvielfalt untersucht wird: Die Schwäbische Alb und die Schorfheide-Chorin bei Berlin (TA berichtete).

Ziel ist es, alle Tier- und Pflanzenarten sowie die Prozesse in den Ökosystemen zu erfassen. Im Fokus steht, wie Landwirtschaft und Artenvielfalt zusammenhängen. Die eine Hälfte der Forschungsflächen sind Grünland, die andere Wald - also Hainich. Einige sind bewirtschaftet, andere liegen unberührt im Nationalpark. Knapp 80 Projekte mit mehr als 400 Forschern wurden schon gefördert.

Zum Beispiel die Bäume in HEW12: Seit 2008 liegen sie im Laub, verrotten langsam. Neben dem Ahorn eine Kiefer, eine Lerche, eine Buche, eine Esche, eine Pappel, eine Birke .".".

"Eine Gruppe guckt, welche Pilze sich auf dem Holz ansiedeln. Eine andere untersucht, wie sich das Holz im Laufe der Zeit zersetzt. In den Behältern werden Insekten gefangen, die im Frühjahr aus dem Holz schlüpfen", erklärt Katrin Hartwich, die das Mülverstedter Team leitet. Die Tierchen würden teils sogar nach China geschickt. Dort säßen beispielsweise die Spezialisten für die Bestimmung von Zikaden. "Und jedes Jahr hebt ein Forscher aus Freiburg die Stämme hoch, ummantelt sie mit einem speziellen Gerät und misst ihre CO2-Emission", sagt Katrin Hartwich.

Vermutlich eines der ersten Forschungsteams, das anreist, wird Vögel einfangen, sie vermessen, wiegen, Blutproben nehmen - und natürlich auch wieder freilassen. Forschungsziel sei, so Katrin Hartwich, herauszufinden, welche Parasiten bei den Tieren vorkommen.

Mit den meisten Forschungen stehen die 39 Universitäten, deren Mitarbeiter sich im Hainich tummeln, am Anfang. Erst nach und nach erschließen sich Zusammenhänge. "Wir betreiben Grundlagenforschung", sagt Agraringenieur Steffen Both vom Stammteam. "Irgendwann muss man anfangen." Dass sie im Ort die Käfersammler sind, stört die drei Wissenschaftler nicht. "Irgendeinen Namen müssen wir ja haben, meint Maximilian Frei.