Thüringen hat 7000 "Kinder-Studenten"

Zum Semesterstart beginnen an den Hochschulen im Land auch wieder Vorlesungen für Kinder. Professoren erklären dem Nachwuchs altersgerecht die Welt. Es geht darum, Kinder früh für die Wissenschaft zu begeistern. Die Nachfrage unter den Grundschülern ist riesig.

Grundschüler aus Weimar und Buttelstedt hören an der Kinder-Uni in Erfurt ihre erste Vorlesung. Gerade geht es um die Frage: "Wozu brauchen wir eine Regierung?" An der Universität Erfurt laufen die Veranstaltungen noch bis zum 20. Dezember. Foto: Marco Kneise

Grundschüler aus Weimar und Buttelstedt hören an der Kinder-Uni in Erfurt ihre erste Vorlesung. Gerade geht es um die Frage: "Wozu brauchen wir eine Regierung?" An der Universität Erfurt laufen die Veranstaltungen noch bis zum 20. Dezember. Foto: Marco Kneise

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In Thüringen wollen immer mehr Grundschüler Uniluft schnuppern. Mittlerweile testen etwa 7000 Kinder immer wieder die Hörsäle des Landes. Die Nachfrage ist weitaus höher.

Die Hochschulen in Erfurt, Ilmenau, Weimar, Jena, Schmalkalden und Nordhausen bieten schon seit Jahren Vorlesungen für Kinder an. Das Angebot richtet sich an Jungen und Mädchen von der zweiten bis zur siebten Klasse.

"Wenn die 'Mini-Studenten' von heute sich eines Tages ganz regulär an unserer Universität einschreiben, dann wäre das für uns natürlich ein echtes Kompliment", sagte Carmen Voigt von der Uni Erfurt.

Die Hochschulen in Erfurt haben vor neun Jahren die erste Kinder-Uni Thüringens ins Leben gerufen. Die wenigen Plätze waren sofort ausgebucht.

In diesem Jahr haben sich von Oktober bis Dezember 2400 Teilnehmer angemeldet.

Das Pilotprojekt aus der Hauptstadt sprach sich damals in Thüringen schnell rum. Ein Weimarer Musikprofessor wurde daraufhin von seiner Tochter gefragt: "Papa, wieso haben wir denn keine Kinder-Uni?" Daraufhin zog Weimar 2003 mit einem eigenen Programm nach. Die Vorlesungen in Weimar haben auch dieses Jahr überwiegend geisteswissenschaftliche Themen. Auch hier ist das Interesse hoch. Pro Veranstaltung strömen etwa 60 bis 70 Grundschüler in die Hörsäle.

"Wissbegierige Kinder dürfen nicht unterfordert werden", sagt die Organisatorin Christine Schild. Deswegen möchte sie begabte Jungen und Mädchen "hungrig aufs Studieren machen".

Die Idee, Grundschüler für die Wissenschaft zu begeistern, hat sich längst auch in Ilmenau durchgesetzt. Vor acht Jahren begann die Universität, Grundschulen aus ganz Thüringen zur Kinder-Uni einzuladen. Die Organisatoren starteten mit 14.000 Mädchen und Jungen. Inzwischen sind es fast dreimal so viele.

"Wir wollen jedem Kind ermöglichen, einmal eine Hochschule von innen zu sehen", sagt Ilka Siegmund von der TU Ilmenau. Sie möchte Barrieren und Ängste abbauen.

In diesem Jahr hat sie für die kleinen Studenten sechs Vorlesungstage im November eingeplant. Die Kinder können in den Vorlesungen an der TU erfahren, wie ein Flugzeug funktioniert oder warum Feuerwerke bunt sind. Alle Plätze sind längst ausgebucht. Die Anfrage ist doppelt so hoch.

In Ilmenau sucht Ilka Siegmund geeignete Dozenten aus und tritt an sie heran. Jede Vorlesung muss genau abgesprochen und geplant werden. Dafür wurde ein didaktischer Leitfaden entwickelt. Einige Veranstaltungen werden gefilmt. So können andere Dozenten sich die Kinder-Uni anschauen. Am Ende jeder Vorlesung wird ausgewertet. Die Jungen und Mädchen bewerten ihren Prof. Für eine kindgerechte Vorlesung muss ein Professor sich gezielt vorbereiten. Einfaches Vorlesen geht nicht.

"Ich muss Fachbegriffe weglassen und die Schüler spielerisch mit einbeziehen. Sachverhalte sollten einfacher vermittelt werden", sagt der Wirtschaftsinformatiker Stefan Urban von der Fachhochschule Schmalkalden. Er will am 28. Februar des nächsten Jahres den Kindern erklären, wie ein Smartphone funktioniert. An der FH Schmalkalden gibt es die Vorlesung seit sechs Jahren. Es werden 250 Teilnehmer erwartet.

"Wir müssen die Grundschüler so früh wie möglich mit der Wissenschaft in Berührung bringen. Sie sind unsere Zukunft", sagt er.

Auch in Nordhausen können die Grundschüler alle zwei Jahre Student sein. Seit 2008 gibt es an der Fachhochschule eine Kinder-Uni. Nächstes Jahr werden 700 Teilnehmer erwartet.

In Ilmenau und Jena denken die Organisatoren weiter. Sie wollen den Grundschülern ein richtiges Studentenleben bieten. Der Jenaer Studierendenrat rief die Vorlesungen für Grundschüler vor sechs Jahren das erste Mal ins Leben. Am zweiten Wochenende im Dezember werden 40 Schüler in die Jenaer Hörsäle kommen. "Die Kinder müssen sich früh entscheiden, was sie nach der Schule machen wollen. Wir können dabei helfen", sagt der Jenaer Student Peter Held.

Ihm ist es wichtig, dass die Jungen und Mädchen so früh wie möglich den Uni-Alltag kennenlernen. Dafür erhalten sie seinen Studentenausweis, können in die Bibliothek gehen und die Mensa besuchen. "Student kann man nicht früh genug sein", sagt Peter Held.

Professoren erklären

Kinderuni Ilmenau 2012 ist ausgebucht

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