Wenn Käfer zu tief ins Glas schauen

Jena  Jenaer Forscher untersuchen die Vorliebe des Ambrosiakäfers für Alkohol.

Kleine Holzbohrer, auch als Ambrosiakäfer bekannt, bei der Gartenarbeit. Sie züchten Pilze und nutzen dafür Alkohol.

Kleine Holzbohrer, auch als Ambrosiakäfer bekannt, bei der Gartenarbeit. Sie züchten Pilze und nutzen dafür Alkohol.

Foto: dpa

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Sommerzeit, Biergartenzeit – und Zeit für allerlei Insekten, die uns den Bier- oder Weingenuss streitig machen. Ambrosiakäfer, eine Untergruppe der Borkenkäfer, scheinen einem guten Tropfen besonders zugeneigt zu sein. Wissenschaftler aus Jena, Würzburg und den USA haben herausgefunden, warum.

Das hat nämlich etwas mit der gärtnerischen Beschäftigung des Ambrosiakäfers zu tun. Normalerweise bohren sich die Winzlinge Löcher in die Stämme alter Bäume und pflanzen dort einen regelrechten Pilzrasen an. Ihre bevorzugte Saat: Der Ambrosiapilz. Der muss gehegt werden, das wiederum gelingt am besten mit Alkohol. Der Ambrosiapilz, den Schwarze Nutzholzborkenkäfer züchten, ist unempfindlich gegen das Zellgift Alkohol, andere Pilzarten und Mikroorganismen hingegen nicht. Die Konsequenz: weniger Konkurrenz für den Pilz sowie weniger Schädlinge im Pilzgarten – und damit mehr Nahrung für die Larven der zwei bis drei Millimeter langen Käfer.

Tatsächlich bildet sich Alkohol in den Stämmen alter, absterbender Bäume, die sich damit gegen Schädlinge schützen. Die Rechnung haben sie aber nicht mit dem Ambrosiakäfer gemacht, der aus Asien stammt und sich seit den 1930er-Jahren auch in Europa ausbreitet.

Offensichtlich, so haben es die Forscher unter anderem am Jenaer Max-Planck-Institut für chemische Ökologie herausgefunden und jetzt in der Zeitschrift PNAS beschrieben, haben Ambrosiakäfer ein feines Gespür für Alkohol entwickelt – wenig Sinn aber für den Unterschied von Bäumen und Biergläsern. Und so wird im Frühjahr und Sommer so mancher Biergarten zum vermeintlichen Paradies, tatsächlich aber zur Todesfalle für die Käfer.

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