Alternative

Martin Debes

Unter den deutschen Soldaten, die in Afghanistan starben, stammen überproportional viele aus den neuen Ländern. Dies folgt, so zynisch es klingt, einer statistischen Logik: Vor allem in den unteren Rängen ist die Bundeswehr am Hindukusch fast zur Hälfte ostdeutsch.

Der Grund ist einfach. Dort, wo die beruflichen Perspektiven schlecht sind, gilt die Armee, die Ausbildung und gute Einkommen bietet, oft als einzige Alternative. Der Preis ist für etliche Zeit- oder Berufssoldaten der Auslandseinsatz – und unter Umständen so viel mehr.

Diese Erkenntnis ordnet sich ein in viele Analysen, die gerade jetzt gezogen werden, da Deutschland seit zwei Jahrzehnten wiedervereinigt ist. Die Lebensverhältnisse zwischen Ost und West mögen sich in vielerlei Hinsicht angeglichen haben. Doch die Zukunftsperspektiven driften zumindest scheinbar immer mehr auseinander.

Genau hier gilt es stärker gegenzuhalten. Ansonsten wird das Zusammenspiel von Arbeitslosigkeit, Abwanderung und niedriger Geburtenrate dazu führen, dass der Osten sozial und ökonomisch für immer abgehängt wird.

Der Dreiklang dagegen lautet Bildung, Arbeitsplätze und gute Löhne. Nur so werden junge Menschen hier, in diesem Land, ihre Chance sehen. Falls sie dann Soldat werden wollen, ist das eine Entscheidung, die erst recht Respekt und Dank verdient. Aber sie sollen eine Alternative haben.