Betrug als System

Martin Debes zu den Ermittlungen beim Kika.

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Seit dieser Woche haben es die Gebührenzahler amtlich. Es gab faktisch keine Kontrolle beim Kinderkanal oder beim MDR, sagte der Vorsitzende Richter am Erfurter Landgericht, nachdem er das Urteil über den korrupten Ex-Vizechef des KiKa verkündet hatte. Stattdessen existierte eine Kultur des Wegschauens.

Und des Mitmachens. Inzwischen wird gegen ein Dutzend Mitarbeiter des Senders und Geschäftsführer von Firmen ermittelt, die wohl über Jahre ein kompliziertes Geflecht von Scheingeschäften aufgebaut haben. Zwar trieben sie es nicht so arg wie Marko K., den Millionenbetrüger - aber wohl nicht weniger dreist.

Je länger die Staatsanwälte ermitteln und je mehr Akten sie sichten, umso stärker wird der Verdacht, dass es sich eben nicht nur um einen einzelnen spielsüchtigen Herstellungsleiter und ein paar Mitwisser handelte. Nein, der Betrug hatte offenkundig System.

Die Indizien dafür lassen sich nicht nur in den Unterlagen finden, die von den Ermittlern beschlagnahmt wurden. Sie ergeben sich auch aus dem Verhalten vieler Angestellter, die die Aussage verweigern. Und sie speisen sich aus der Pressepolitik des Senders, der meist nur das zugibt, was nicht mehr dementierbar ist - um sich dann auch noch für seine Transparenz selbst zu belobigen.

Was fehlt, ist das Eingeständnis eigener Schuld. Dass der Rücktritt des Intendanten nichts mit dem Skandal zu tun haben soll, demonstriert die Grundhaltung im Sender: Niemand ist bereit, Verantwortung zu übernehmen. So etwas nennt sich dann verantwortungslos.

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