Die Meinung: Fünf Tage überleben

Markus Stelle über neue Richtlinien für den Zivilschutz.

Vielleicht erinnern Sie sich noch: Früher, vor und kurz nach der Wende, fand sich in jedem Telefonbuch eine Seite mit Tipps zum Katastrophenschutz: Wie soll ich mich verhalten, wo informiere ich mich, welche Lebensmittel gehören eingelagert, Kerzen, Streichhölzer, Trinkwasser.

Und heute? Wer hat denn schon noch ein Telefonbuch?

In die unheimliche Stimmung der vergangenen Monate – Terroranschläge, Unwetter, Krieg an den Rändern Europas, Hackerangriffe – platzt diese Meldung: Die Bundesregierung will neue Richtlinien für den Zivilschutz erlassen und unter anderem verbindliche Tipps für die Bevorratung im Krisenfall herausgeben. Fünf Tage möge sich der Bundesbürger bitte selbst versorgen, bis er mit staatlicher Hilfe rechnen kann.

Das lässt aufhorchen – und doch ist es wohl eher unbeabsichtigt, dass das neue Zivilschutzkonzept ausgerechnet in diese unruhige Zeit fällt. Schließlich warnen Sicherheitsexperten schon seit Jahren davor, dass eine größere Katastrophe die Deutschen zu unvorbereitet treffen könnte.

Vor zwölf Jahren, noch unter dem Eindruck der Terroranschläge vom 11. September 2001, vor allem aber der Hochwasser an Oder und Elbe, wurde der Katastrophenschutz wieder in die Hände einer Bundesbehörde gelegt.

Deren Mitarbeiter schlagen natürlich von Amtswegen gern Alarm, auch sie müssen schließlich ein Budget und Personalstellen rechtfertigen. Panikmache aber kann ihnen kaum vorgeworfen werden. Es stimmt ja: Wir denken im Alltag ungern daran, aber wie lange könnten Sie ohne Strom, ohne fließend Wasser und ohne Supermarkt durchhalten?

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