Felix Thuringia: Rotkäppchen und der Wolf

Mirko Krüger erzählt von einem wahr gewordenen Märchen.

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Liebe Brüder Grimm, es war einmal eine kleine süße Dirne, die hatten alle sehr lieb, am allerliebsten aber ihre Großmutter, die dem Kind ein rotes Käppchen schenkte. Eines Tages lief Rotkäppchen in den Wald. Da begegnete ihm der Wolf. Rotkäppchen aber wusste nicht, was das für ein Tier war, und fürchtete sich nicht.

Das, liebe Brüder Grimm, ist kein Märchen mehr. Das ist wahr. Mehr als 200 Jahre, nachdem Sie diese Geschichte erstmals erzählt haben, wandert Rotkäppchen nun aus. Vom Thüringer Wald geht es schnurstracks in die USA, nach Gasto-nia. Leider hat Rotkäppchen keinen Kuchen und keinen Wein dabei, aber dafür eine knallharte Mission.

In einer Naturschutz-Ausstellung soll es vom Thüringer Wald erzählen. Deshalb schießen in dem für seine Saurier bekannten Museum jetzt Pfifferlinge und Stinkmorchel aus dem Boden. Molche laufen umher. Gartenschläfer turnen durchs Geäst. Ein Milan schwebt am Himmel. Mittendrin sitzt unser Rotkäppchen und berichtet von der Rückkehr der Wölfe in den Thüringer Wald.

Die Schau wurde von der Gothaer Stiftung Friedenstein gestaltet. Sie öffnet ab Samstag. Noch wissen wir also nicht, wie die Amerikaner auf Rotkäppchen reagieren. Eines freilich sollte uns schon jetzt klar sein: In einem Land, in dem es Grizzlys und Alligatoren gibt, hat man nie verlernt, mit wilden Tieren zu leben. Gut möglich, dass die Amis unsere Sorgen und Nöte überhaupt nicht verstehen.

Rotkäppchen ging fröhlich nach Haus. So endet Ihr Märchen. Natürlich wissen wir, dass Sie zuvor den bösen Wolf haben ertrinken lassen. Heutzutage, verehrte Grimms, würde Ihnen solch‘ Gebaren eine Anzeige bescheren.

So viel für heute aus dem Thüringer Märchenwald.

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