Goldberg: Mit Hammer und Zange

Henryk Goldberg kramt im Werkzeugkasten.

Nein, ich mag nun mal keine Werkzeugkästen. Keine Wasserwaagen, keine Schraubendreher. Und keine Flachzangen. Vor allem nicht, wenn diese als Werkzeug der Polemik dienen.

Natürlich, ein Redakteur dieser Zeitung hat alle Leser lieb. Einem Leser aber, der einen Politiker, gleich welcher Farbe, außer braun, eine Flachzange nennt, den habe ich, nun ja: nicht so besonders lieb. Aber immerhin, es muss sich um einen traditionsbewussten Mann handeln. Schließlich, es ist linke Tradition, keinen Gegner so erbarmungslos zu attackieren wie den eigenen Genossen. Mit Flachzange und Holzhammer.

Ich habe Bodo Ramelow, das linke Gesicht in Thüringen, nie gewählt, aber ich halte ihn auch nicht für schlitzohriger als die meisten anderen Politiker, nur für intelligenter. Vielleicht ist es deshalb schon sinnvoll, ihn aufmerksam zu beobachten. Allerdings nicht durch den Verfassungsschutz, wie man beim Spiegel meinte, eher durch die Kollegen Berufspolitiker. Und ich halte ihn nicht für einen religiösen Spinner, weil er sich zum Glauben Martin Luthers bekennt. Und das, obwohl ich ein ostdeutscher Atheist bin.

Ramelow hat das Problem vieler vor ihm: Eine linke Haltung zu vertreten, ohne sich dem linken , rituellen Kanon unterzuordnen. Das scheint mir eine ehrenwerte Haltung für einen Linken. Wenn das für mich bedeutet, eine Flachzange zu sein: herzlich gern.