Kommentar: Aus echtem Holze

Axel Eger über Online-Schach

Foto: Andreas Wetzel

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Es war das vorläufige sportliche Weltereignis der Corona-Krise und für die Fans ein Fest. Sogar der Streamingdienst Dazn, der sonst um den Fußball buhlt, hat in neun Sprachen übertragen. Das Magnus Carlsen Invitational, ein Schachturnier der Top-Elite im Internet.

Die Meister zu Hause vor den Webcams, der Zuschauer daheim am PC. Jeder konnte den Spielern beim Denken zuschauen. Sehen, welche Grimassen der Weltmeister schneidet und welches Regal hinter Chinas Superstar Ding Liren steht.

Nie war Spitzenschach so nahe. Das Internet hat das Spiel demokratisiert. Jede Idee wird sofort öffentlich, jede Neuerung schon heute zur Nachricht von gestern.

Schach ist längst New Economy, seine Protagonisten sind Kinder der Globalisierung. Geschätzt rund 250 Millionen Menschen spielen weltweit Fußball, beim Schach sind es 600 Millionen. Täglich duellieren sich Hunderttausende im Internet. Mit all seinen Vorzügen – und seinen Verlockungen.

Als das Turnierschach vor 20 Jahren in Sydney Demonstrationssportart war und olympisch werden wollte, musste sich das Spiel den Dopingregularien unterwerfen. Die Tasse Kaffee zu viel galt daraufhin schon als Verstoß. In der Ära des Computers zeigt sich, dass die Herausforderungen anderswo lauern: beim elektronischen Doping. Im Turniersaal zieht ein piependes Handy den Partieverlust nach sich. Im Internet prüft eine mitlaufende Software Verdachtsfälle. Komplette Sicherheit gibt es nicht.

Schach ist online präsent wie kein anderer Sport, das weltweite Netz das ideale Medium für Training, Zerstreuung und Show. Der ernsthafte Wettkampf, die epischen Matches um die Krone aber finden wohl auf ewig am Brett statt, jenem Utensil, das so ist wie es die Könige dieses Spiels seit jeher sind. Aus echtem Holze geschnitzt.

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