Kommentar: Der letzte Kredit wird verspielt

Marco Alles
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Marco Alles über einen inakzeptablen Rot-Weiß-Auftritt.

Wenn der einzige Trost darin besteht, dass die „Bestmarke“ der höchsten Drittliga-Niederlage beim Erzrivalen Jena verbleibt (0:7), sagt dies alles über den beschämenden Rot-Weiß-Auftritt am Samstag. Körper-, emotions- und leidenschaftslos – so darf sich eine Mannschaft nicht präsentieren. Egal, wie chaotisch es hinter den Kulissen zugeht und egal, in welcher Zusammensetzung sie auf dem Platz steht.

Einer Reihe von eigenen Talenten zum Drittliga-Debüt zu verhelfen, ist das eine. Sie ohne gewillte Führungskräfte ins Feuer zu schicken, das andere. Daher ist es schwer verständlich, dass ein Typ wie Möckel ohne Not außen vor blieb. Bleibt zu hoffen, dass die Demütigung bei den Nachwuchsspielern nicht allzu lange nachwirkt.

Die Zuschauer werden dieses Trauerspiel nicht so schnell vergessen. Bräuchte der insolvente Club nicht jeden Euro für einen Vergleich mit seinen Gläubigern, müsste man den 3000 Unentwegten eigentlich den Eintritt zurückerstatten. Und Schmerzensgeld obendrauf.

0:11 Tore in den letzten beiden Heimspielen – der FC Rot-Weiß ist auf dem besten Weg, auch den letzten Kredit zu verspielen. Bei der Konkurrenz, die ob dieser Ergebnisse zu Recht Wettbewerbsverzerrung moniert. Bei den treuesten Fans, deren Geduldsfaden nun endgültig riss. Und bei Sponsoren, ohne die es auch in der Regionalliga nicht funktioniert.

Wie schlimm es um den Verein steht, ließ die Atmosphäre erahnen. Statt Wut und Enttäuschung hatten sich Gleichgültigkeit und Resignation wie ein Schleier über das Steigerwaldstadion gelegt. Wo vor elf Monaten die Erfurter Anhänger noch euphorisch den Rasen gestürmt und den Thüringer Pokalsieg bejubelt hatten, feierten am Samstag nur die Großaspacher Fans.

Mit einer Polonaise zu viert durch ihren Block.

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