Kommentar: Gemeinsam in den Abgrund

Holger Zaumsegel über den DFB und Joachim Löw.

Holger Zaumsegel

Holger Zaumsegel

Foto: Tino Zippel

Augen zu und durch: Der Deutsche Fußball-Bund setzt weiter auf Joachim Löw als Bundestrainer und missachtet den Wunsch der meisten Fans, die sich in Umfragen nach dem 0:6-Debakel gegen Spanien mit überwältigender Mehrheit für ein Ende seiner nun schon seit 2006 währenden Amtszeit ausgesprochen hatten.

Der Klüngel in der Machtzentrale mit den Löw-Freunden Oliver Bierhoff und DFB-Boss Fritz Keller hat gesiegt. Verlierer ist der deutsche Fußball, dessen oberste Vertreter offensichtlich nicht gewillt sind, einer seit dem blamablen WM-Aus 2018 andauernden Fehlentwicklung entgegenzutreten und vor der EM 2021 noch rechtzeitig die Reißleine zu ziehen.

Wundern brauchen Sie sich, liebe Leser, nicht. Die groß angekündigte Aufarbeitung, die einmal mehr zu einer Farce verkommen ist, hätte ein gewisses Maß an Selbstkritik der Protagonisten bedurft. Die suchen wir bei den Herren Funktionären aber schon seit Jahren vergeblich. Und so werden alle Kritikpunkte immer wieder aufs Neue – einfach so – vom Tisch gewischt. Immer mit einem zeitlichen Abstand, damit sich die Lage einigermaßen beruhigt. So war es 2018 nach der WM, so war es nach dem 0:6 gegen Spanien. Und so wird es wahrscheinlich auch nach einer verkorksten EM 2021 sein. Woher der Glaube kommt, dass die Leute, die es so offensichtlich verbockt haben, in einigen Monaten die gefeierten Retter seien werden, bleibt uns allen ein Rätsel.

Eines steht fest: Bierhoff und auch Keller haben ihr Schicksal mit dem von Löw unkündbar verknüpft. Sein Misserfolg ist ihr Misserfolg. Bei einem neuerlichen Scheitern müssen auch sie die Konsequenzen tragen und gehen.