Kommentar: Die Peinlichkeit des Patriarchen

Axel Eger über Hoeness‘ Attacke.

Axel Eger.

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Foto: Andreas Wetzel

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Eine Attacke allein war Uli Hoeneß nie genug. Nach dem ersten, schon reichlich deplatzierten Verbalangriff auf Marc-André ter Stegen, legte der Bayern-Präsident noch einmal nach. In guter Hoeneßscher Art: diffamierend, anmaßend, absurd.

Schon die These, der Ex-Gladbacher besäße keinen Anspruch auf die Nr. 1 im Tor der Nationalelf, ist Unsinn. Ter Stegen spielt in bestechender Form, er gehört zu den drei Nominierten für die Welttorhüter-Wahl. Und unabhängig davon: es ist das simple Wesen des Sports, Ziele mit Ehrgeiz zu verfolgen.

Ja, das Dilemma der Torleute ist so alt wie der Fußball: von zwei guten kann nur ei­ner spielen. Und ja, es ist richtig, ei­ne Nummer eins zu haben. Verlässlichkeit ist eine Größe, die im Tor existenziell ist: für Spieler wie Trainer. Eine Verlässlichkeit, die Joachim Löw gegen­über Neuer stets gezeigt hat.

Wofür also sollte der DFB sich rechtfertigen oder gar ter Stegen in die Ecke stellen, wie es Hoeneß allen Ernstes verlangt? Dafür, dass er die sportliche Rivalität befeuert? Ter Stegen hat mit keinem Wort Neuer kritisiert, sondern nur seiner Enttäuschung Ausdruck verliehen, dass er gegen Nordirland auf der Bank saß. Das hätte Hoeneß als Spieler auch getan.

Seine Forderung ist also nicht nur Unfug, sondern mit der unsäglichen Attacke gegen den DFB auch maßlos und ein Zeugnis zunehmender Verblendung und Instinktlosigkeit. In ihr spiegelt sich die angestaubte Attitüde des Patriarchen, der immer noch glaubt, mit Drohungen aus München die Welt dirigieren zu können. Das wirkt auf einem globalen Spielfeld nicht nur reichlich peinlich, es hilft auch niemandem weiter. Nicht dem Fußball, nicht der Nationalelf, nicht einmal Neuer.

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