Kommentar: Erfolg macht attraktiv

Holger Zaumsegel über den Leipziger Fußball-Aufschwung.

Hand aufs Herz: Hätten Sie noch vor fünf Jahren gedacht, dass Rasenballsport Leipzig die deutschen Fahnen im Europapokal gegen Saisonende hochhält? Da müssen Sie schon ein Übermaß an Optimismus gehabt haben. In der Saison 2012/13 duellierten sich die Leipziger noch mit dem FC Carl Zeiss Jena, eine Spielzeit später mit dem FC Rot-Weiß Erfurt. Heute heißen die Gegner Bayern München, Olympique Marseille oder wie am Montag Bayer Leverkusen. Es geht gegen die besten Mannschaften Europas. Die Sachsen schreiben an einem Fußball-Märchen. Natürlich spielt Geld eine Rolle, aber ohne eine gehörige Portion Fußball-Sachverstand nützt auch das nichts. Fragen Sie mal HSV-Investor Klaus-Michael Kühne.

Die Leipziger werden aufgrund ihrer Erfolge immer attraktiver, auch wenn die Vereinsstruktur mit einer minimalen Anzahl an stimmberechtigten Mitgliedern immer noch polarisiert. Aber Fußball ist ein Geschäft, die Geldgeber immens wichtig. Beim FC Bayern sitzen im Aufsichtsrat der Vorstandsvorsitzende der Telekom, der Allianz, von Audi und der Deutschen Börse AG. Borussia Dortmund ist eine Aktiengesellschaft, im Aufsichtsrat sind ebenso fast ausschließlich Wirtschafts-Bosse vertreten.

Die Diskussion über die RB-Finanzen tritt zum Glück mehr und mehr in den Hintergrund und weicht der rein sportlichen, was zu begrüßen ist. Dort stehen die Sachsen am Scheideweg – trotz der jüngsten Erfolge mit der Möglichkeit ins Halbfinale der Europa League einzuziehen. Sportdirektor Ralf Rangnick möchte den Weg mit jungen, bezahlbaren Talenten weitergehen. Löblich, aber auch gefährlich. Verpassen die Jungspunde den Sprung in die Champions League, fehlt Geld. Und natürlich stehen die Leipziger viel mehr im Fokus, Stars wie Timo Werner sind heiß begehrt. Selbst die Zukunft von Trainer Ralph Hasenhüttl, der bei Bayern und dem BVB gehandelt wird, ist ungewiss. So sind die Regeln im Fußball-Geschäft und Leipzig muss die passende Antwort finden, um dauerhaft attraktiv zu bleiben.