Kommentar: Überzogene Wünsche

Michael Voss über neue Sportarten bei Olympia 2020.

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Die Revolution frisst ihre Kinder – auch im Weltsport.

Da hatten sich die Altherren vom IOC, angetrieben von Thomas Bach, zu ihrer Reform-Agenda 2020 durchgerungen. Motto: flexibleres Programm der Spiele, nachhaltigere, weniger gigantische Konzepte.

Nun kommen die Japaner – und führen das mit ihren überzogenen Wünschen für die Sommerspiele 2020 ad absurdum.

Den Veranstaltern steht frei, neue Sportarten vorzuschlagen. Und Tokio geht in die Vollen, empfiehlt sechs Reformen.

Ja, Karate mag angehen. Das ist erstens landestypisch, zweitens in über 160 Ländern verbreitet, drittens hat der Weltverband die Sportart publikumswirksam modernisiert.

Auf Baseball und Softball trifft das nicht zu. Beide Sportarten hatten von 1996 bis 2008 ihre olympische Chance, wurden dann zu Recht aus dem Programm gekippt. Grund: eine weltweit zu kleine Basis.

Und mit Skateboarding, Sportklettern und Surfen setzt Tokio auf den üblichen Zug der Trendsportarten. Spektakulär sicher, aber eben auch beliebig.

Das IOC nannte dies in einer ersten Reaktion „einen frischen und sehr aufregenden Ansatz“.

Aber: Sollte das alles angenommen werden, würden die Tokio-Spiele um 18 Wettbewerbe mit 500 Athleten aufgebläht. Und traditionelle Sportarten dafür zu streichen, ist kein Weg!

Die Olympier sollten sich genau überlegen, welchen Vorschlägen sie 2016 zustimmen – um sich und ihre Agenda nicht lächerlich zu machen.

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