Kommentar: Winterlicher Drahtseilakt

Axel Lukacsek über Corona und Wintersport.

Axel Lukacsek

Axel Lukacsek

Foto: Peter Michaelis

Vorfreude? Sieht anders aus. Wintersportler wie deren Fans sind froh, dass in Zeiten der Corona-Pandemie sich überhaupt noch ein Rad dreht. Aber eine Saison mit so vielen Unwägbarkeiten hat es wohl noch nie gegeben. Die positiven Corona-Proben von Österreichs Skisprungstar Gregor Schlierenzauer oder die zahlreicher Biathleten zeigen exemplarisch, dass uns ein ziemlich unangenehmer Winter bevorsteht.

Kreativität und neue Wege sind gefragt. So haben sich im Trainingslager in Finnland die Skilangläufer in Hütten einquartiert statt im Hotel, um so unnötige Kontakte zu vermeiden. Die Skispringer werden dagegen mit Charterflügen zu den Weltcuporten transportiert. Geisterkulissen werden fast überall zur Normalität gehören.

Jene Begleitumstände verdeutlichen das verzweifelte Ringen um einen möglichst reibungslosen Ablauf des Winters. All die Bemühungen sind notwendig, denn es steht schlicht und einfach die Existenz des Wintersports auf dem Spiel.

Die Rechnung ist nämlich recht simpel. Gibt es keine Wettkämpfe und damit keine TV-Übertragungen, würden eben auch keine TV-Gelder oder Sponsoreneinnahmen fließen. Bei manchen Verbänden gingen noch in diesem Winter die Lichter aus, gäbe es gar keine Wettbewerbe. Dabei sind die Kosten angesichts der Corona-Krise enorm. Allein der Deutsche Ski-Verband rechnet mit einer Millionen Euro, um die notwendigen Tests zu bezahlen und so die Gesundheit von Athleten und Betreuern zu schützen. Einen ganzen Winter lang überhaupt nicht auf der Bildfläche zu erscheinen, würde unterm Strich nur noch einen vielen größeren Schaden anrichten.