Leitartikel: Biedermann und die Brandstifter

Chefredakteur Johannes M. Fischer über den Richtungsstreit in der AfD.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie es Menschen schaffen, Dinge nicht zu sehen, die offenkundig sind. Max Frisch schrieb in den 50er-Jahren das Theaterstück „Biedermann und die Brandstifter“: Zwei Brandstifter bekommen Einlass in das Haus eines Mannes namens Biedermann. Sie machen keinen Hehl daraus, Brandstifter zu sein. Biedermann ahnt, was er sich ins Haus geholt hat, verschließt aber die Augen und tut so, als sei das alles ein Scherz. Bis es brennt.

Wenn Mitglieder einer Partei so tun, als seien sie brave Bürger, aber gleichzeitig mit Sprüchen auf sich aufmerksam machen, die die Neonazi-Szene Beifall klatschen lässt, dann ist klar, in welchem Stück man sich gerade befindet.

Ob es die AfD, einst als wirtschaftsliberal-wertekonservative Partei gestartet, doch noch schafft, sich von ihren dunkelbraunen Tendenzen zu befreien, ist schwer zu glauben.

Denn noch immer ist damit zu rechnen, dass die AfD den Einzug in den Bundestag schafft – zurzeit liegt sie einer Insa-Umfrage zufolge bei neun Prozent. Aber von den zwischenzeitlich erträumten zwanzig Prozent ist die Partei dann doch sehr weit entfernt.

Klare Einsichten aus dem inneren Zirkel wie jetzt von Steffi Brönner – sie glaubt, dass die AfD rechtsextremistisches Gedankengut salonfähig macht – könnten den Prozess einer Selbstfindung im System der freiheitlichen Grundordnung fördern. Es kann aber auch – wie bei vorangegangenen Häutungen der Partei– genau in die andere Richtung gehen. Brönner gerät ins AfD-Abseits, und die Partei spielt das Trojanische Pferd für völkisch-nationalistische Vorvorvorvorgestrige.