Leitartikel: Bodo Ramelows kleine Schwäche

Thomas Bärsch über angebliche Kampagnen und Medienschelte.

"Von einer Kampagne ist im Journalismus die Rede, wenn einzelne Fakten über einen gewissen Zeitraum gezielt verteilt und gestreut werden. Auf die Informationen, die zu Bodo Ramelow bekannt wurden, trifft das nicht zu", so Thomas Bärsch. Foto: Alexander Volkmann

"Von einer Kampagne ist im Journalismus die Rede, wenn einzelne Fakten über einen gewissen Zeitraum gezielt verteilt und gestreut werden. Auf die Informationen, die zu Bodo Ramelow bekannt wurden, trifft das nicht zu", so Thomas Bärsch. Foto: Alexander Volkmann

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Hackt die Presse auf Bodo Ramelow herum? Ja, sie hackt auf ihm herum. Hackt sie auf ihm herum, weil er ein Linker ist? Nein, sie hackt nicht auf ihm herum, weil er ein Linker ist, auch wenn das ihm und manch anderem so vorkommen mag.

Ramelow steht im Mittelpunkt des medialen Interesses, weil er sich gerade anschickt, Ministerpräsident in Thüringen und damit der erste Linke zu werden, der ein solches Amt bekleidet. Vor diesem Hintergrund wird alles, was er tat und tut, was er sagte und sagt, besonders aufmerksam verfolgt und besonders kritisch hinterfragt. Das gehört nun einmal zu den Aufgaben von Journalisten, und es gibt keinen Grund, mit Ramelow behutsamer umzugehen als etwa mit der noch amtierenden Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht und den Affären in ihrem Umfeld.

Freilich ist die Versuchung groß, hinter den häufigen Berichten über Ramelow eine Kampagne zu vermuten. Doch dafür fehlt es an einem wichtigen Merkmal: Von einer Kampagne ist im Journalismus die Rede, wenn einzelne Fakten über einen gewissen Zeitraum gezielt verteilt und gestreut werden. Auf die Informationen, die zu Bodo Ramelow bekannt wurden, trifft das nicht zu.

Natürlich steht es Bodo Ramelow frei, auf die Berichterstattung mit Medienschelte zu reagieren und sich als Opfer zu sehen. Er kann einfach über gewisse Dinge hinweggehen und sie aussitzen, was in der Thüringer Landespolitik durchaus Tradition hat. Er könnte allerdings auch sagen: "Ja, ich hatte eine Zeitlang einen ehemaligen Stasi-Offizier als Kollegen, und ja, das war falsch." Das aber kann er nicht. Schade.

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