Leitartikel: Das reicht nicht

Martin Debes über immer mehr Flüchtlinge in den Schulen.

Es klingt wie eine Sachaufgabe aus der Grundschule. 30 000 Flüchtlinge, darunter viele Familien, kamen vergangenes Jahr nach Thüringen. Mindestens zwei Drittel davon sind noch da – entweder weil das Verfahren andauert, ihr Antrag genehmigt wurde oder sie geduldet werden. Unabhängig davon gilt drei Monate nach der Ankunft die Schulpflicht.

Was ist das Ergebnis? Das Kultusministerium nennt nun endlich eine Zahl. Danach lernten im Dezember mehr als 5000 Flüchtlingskinder an den staatlichen Thüringer Schulen.

Tendenz steigend.

Dies ist, um es freundlich zu formulieren, eine enorme Herausforderung für die Beteiligten. Alle, die für Schulen zuständig sind – Land, Kommunen, freie Träger –, stehen jetzt in einer zusätzlichen, besonderen Verantwortung.

Wenn es nicht mit der Integration an den Schulen klappt, wird es später nirgendwo funktionieren. Dass es eine Stabsstelle im Ministerium und zusätzliches Geld für Lehrer gibt, ist zwar gut. Aber es reicht nicht.

Wer Pädagogen nur befristet einstellen will, hat den Ernst der Situation nicht verstanden. Zum einen findet man zu solchen Bedingungen derzeit keine guten Bewerber. Zum anderen werden die Lehrer langfristig gebraucht. Zudem ist das Risiko begrenzt: Im Zweifel kann das Land ja später bei den Einstellungen nachjustieren.

Das Bildungsthema ist hochsensibel, gerade in Thüringen, gerade jetzt. Die Lehrerschaft ist überaltert, es fällt Unterricht aus, die Verunsicherung wächst. Die drängende Frage danach, ob die Bevölkerung noch mehr Flüchtlinge im Land akzeptiert, wird insbesondere an den Schulen beantwortet werden.

An Thüringens Schulen lernen mehr als 5000 Flüchtlingskinder

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