Leitartikel: Das wird bleiben

Martin Debes über 30 Jahre Thüringer Landtag.

Martin Debes.

Martin Debes.

Foto: Andreas Wetzel

An diesem Mittwoch vor 30 Jahren begann eine Ära. Mit der Landtagswahl am 14. Oktober 1990 begann nicht nur Ära des neuen Thüringens, das sich einige Tage zuvor mit dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland wieder gebildet hatte. An diesem Tag begann auch endgültig die Ära der hiesigen CDU, die für nahezu ein Vierteljahrhundert das Land politisch dominieren sollte.

Die Menschen, die im Herbst 1989 die ersten Demonstrationen und Friedensgebete organisiert hatten, verbannte das Votum des selbstbefreiten Volkes - wie zuvor schon bei der Volkskammerwahl - an den Rand. Bürgerbewegungen und Grüne konnten gemeinsam gerade so eine Fraktion bilden.

Die Macht gehörte nun der Partei, die in der DDR integraler Teil der SED-geführten Nationalen Front war. Vom Dorfbürgermeister über den Landrat bis zum Ministerpräsidenten: Fast alle, die etwas in Thüringen zu sagen hatten, hatten schon der Blockpartei angehört.

Dass die allermeisten von ihnen männlich waren, galt als ebenso selbstverständlich. Die CDU-Frauen, die über die Jahre Politik in der ersten Reihe gestalten durften, lassen sich locker an einer Hand abzählen: Christine Lieberknecht, Birgit Diezel, Dagmar Schipanski, Marion Walsmann... Im Landtag betrug der Frauenanteil 15 Prozent.

Affären und Fehlentscheidungen

Die Unionsmänner, zu denen sich in der ersten Regierung noch ein paar FDP-Männer gesellten, machten die Dinge unter sich aus. Und sie stolperten sich gemeinschaftlich von Skandalen über Affären zu Fehlentscheidungen.

Dennoch bauten sie mit einigem Erfolg das Land auf, das sich bald stolz Freistaat nannte. Dass Thüringen im Vergleich zu den ostdeutschen Ländern - und sogar manchen westdeutschen - recht gut dasteht, ökonomisch, sozial und kulturell, das ist auch ihr Verdienst.

Und es ist das Verdienst des ersten Landtags, der die Verfassung erarbeitete und Hunderte Gesetze und Regelungen verabschiedete, die teilweise bis heute gelten. Und egal, was noch so im politisch verrückt gewordenen Thüringen passieren mag: Das wird bleiben.