Leitartikel: Der doppelte Ramelow

Dirk Lübke zum Gezerre um den Linken-Landeschef.

Thüringens Linke gibt zurzeit ein erbärmliches Bild ab. Anfang März scheiterte die vom Vorstand gesetzte Spitzenkandidatin zur Bundestagswahl, Birgit Klaubert, kläglich auf dem Parteitag. Nun steht der Landesvorsitzende Knut Korschewsky im Brennpunkt. Nach aktuellem Stand von diesem Sonntag soll er bis November im Amt bleiben. Wahrscheinlich.

Linken-Landtagsfraktionschef Bodo Ramelow hatte am vorigen Freitag auf der Sonder-sitzung der Parteispitze Korschewskys Rücktritt gefordert. Dann verließ er die Sitzung vorzeitig. Über Nacht drehte Ramelow sich und seine Forderung – und wollte den Rücktritt am Samstagfrüh so nicht mehr verlangt haben.

So macht man einen Landesvorsitzenden mürbe, (amts)müde und flügellahm. Knut Korschewsky wird hier durch den doppelten Ramelow demontiert und gleichzeitig zum machtlosen Landeschef.

Was steckt vermutlich dahinter? Die Linke in Thüringen als zweitstärkste Kraft bei der vorigen Landtagswahl will sich Unruhe in diesem Jahr zumindest bis zur Bundestagswahl am 22. September sparen. Ein Sonderparteitag passt ebenso wenig mitten in einen Bundestagswahlkampf wie eine kommissarische Führung des Landesverbandes. So agieren die Linken lieber mit einem machtlosen Landeschef, der im November seinen Hut nehmen wird. Bis dahin wird gewurschtelt, kaschiert, taktiert.

Wähler sind klüger als manche Politiker glauben: Sie haben längst durchschaut, dass es bei Thüringens Linken gewaltig knirscht.