Leitartikel: Der Faktor Ramelow

Jan Hollitzer zur neuesten Umfrage in Thüringen.

02/11/2018-Erfurt: Portrait-Foto: Jan Hollitzer (Chefredakteur Thueringer Allgemeine) (Foto: Sascha Fromm / Thueringer Allgemeine)

02/11/2018-Erfurt: Portrait-Foto: Jan Hollitzer (Chefredakteur Thueringer Allgemeine) (Foto: Sascha Fromm / Thueringer Allgemeine)

Foto: Sascha Fromm / TA

Bodo Ramelow zementiert mit seiner Bekanntheit und Popularität nicht nur die Führung seiner Linken in Thüringen. Seine Person überstrahlt zudem auch immer stärker das Schaffen der gesamten Landesregierung.

Bei keinem anderen Kabinettsmitglied sagt eine absolute Mehrheit über Parteigrenzen hinweg, dass es ihre Interessen vertritt. Die Alleingänge Ramelows, wie das Ankündigen von umfangreichen Lockerungen ohne zuvor die Ressortchefs oder die eigenen Parteimitglieder zu involvieren, werden zwar – mehr oder weniger aufrichtig -- öffentlich gerügt, aber eben auch geduldet.

Auch SPD und Grüne wissen, dass der Faktor Ramelow für sie die einzige Hoffnung ist, gemeinsam an der Regierung zu bleiben.

Zudem sorgt Ramelow für andere Umfrageverhältnisse als im Bund. Die Linke ist so stark wie nirgends, die CDU kann vom nationalen Aufschwung nicht profitieren und auch die Grünen verharren im einstelligen Bereich und verlieren sogar einen Punkt im Vergleich zur letzten Landtagswahl. Und obwohl nur 65 Prozent der AfD-Wähler angeben, dass Björn Höcke ihre Interessen vertritt, bleibt die Partei stabil über 20 Prozent. Auch die Einstufung als Verdachtsfall durch den Verfassungsschutz und die Kampfansage an gemäßigtere Kräfte schaden scheinbar nicht. Man könnte allerdings auch deuten, dass diese Umstände noch höhere Umfragewerte der AfD verhindern.

Entsprechend dem Bundestrend entwickeln sich indes SPD und FDP. Wobei die enorme Bekanntheit Thomas Kemmerichs – er ist hinter Bodo Ramelow, Björn Höcke und Wolfgang Tiefensee der bekannteste Politiker in Thüringen – dem hiesigen Landesverband wohl eher schadet. Wenn jetzt gewählt werden würde, wäre die FDP nicht mehr im Landtag vertreten.

Trotz der Fehlertoleranz in Umfragen und einer auch durch Corona nie dagewesenen Dynamik muss bis zur nächsten Landtagswahl, sofern sie wirklich im April 2021 stattfindet, viel passieren, dass gegen die Linke und Ramelow eine Regierung gestellt werden kann.

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