Leitartikel: Die Kontrolle verloren

Karsten Kammholz zu den Terror-Ermittlungen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die erste Aufgabe des Staates nach einer Schreckenstat wie der auf dem Berliner Weihnachtsmarkt lautet: Sicherheit herstellen. In Situationen wie nach dem Anschlag vom Breitscheidplatz zeigt sich, wie agil und stabil sich die Sicherheitsarchitektur eines Landes darstellt.

Alles, was seit dem grauenvollen Abend des 19. Dezember an Fahndungsleistungen bekannt geworden ist, lässt einen allerdings ratlos und erschüttert zurück. Viel zu spät wurde nach dem mutmaßlichen Täter öffentlich gesucht. Viel zu nachlässig ist man zuvor mit der Gefahr umgegangen. Ganz offensichtlich hat Deutschland ein Sicherheitsproblem.

Sehr viel gewusst und nichts getan

Der Anschlag hätte verhindert werden können: Welche Erkenntnisse fehlten noch, um die wahre Bedrohung zu erkennen?

Es scheint so, als habe man sehr viel gewusst und nichts getan. Dabei tauschten die Sicherheitsbehörden noch im November ihre Erkenntnisse über Anis Amri aus. Die Ermittler trauten ihm eine „staatsgefährdende Straftat“ zu.

Sie wussten, dass er Mittäter suchte. Sie hatten auch Informationen, wonach er sich Waffen besorgen wollte. Seit Monaten sollte der Tunesier abgeschoben werden, er saß offenbar zwischenzeitlich in Abschiebehaft. Doch um ihn auszufliegen, fehlten die notwendigen Ausweispapiere.

Galt schon die halbherzige Aufarbeitung der Übergriffe von Köln in der Silvesternacht als Inbegriff des Staatsversagens, so müsste für das Behördenschauspiel, das seit Montagabend der Öffentlichkeit dargeboten wird, ein neues Wort erfunden werden. Deutschland wird aus der Berliner Tat lernen müssen.

Das könnte Sie auch interessieren:

Der meistgesuchte Mann Europas - Verdächtiger war den Behörden bekannt

Berlin-Attentat: Zwölf Schwerverletzte noch auf den Intensivstationen

Mutmaßlicher Attentäter in Berlin sollte abgeschoben werden: 100.000 Euro Belohnung ausgesetzt

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren