Leitartikel: Durch den Winter

Martin Debes über die steigenden Corona-Fallzahlen.

Martin Debes

Martin Debes

Foto: Andreas Wetzel

Es wird wieder ungemütlich in Deutschland – wegen des Wetters, aber natürlich vor allem wegen des Virus, das die ganze Welt seit Anfang des Jahres beschäftigt. Die zweite Welle der Pandemie ist da, und sie wird so schnell nicht wieder abflachen.

Dennoch hat sich einiges geändert seit März, als fast alle zu Hause blieben und Grundrechte flächendeckend ausgesetzt wurden. Das, was Hammer oder Lockdown genannt wurde, soll jetzt vermieden werden. Stattdessen setzen Staat, Behörden und Wissenschaft auf lokale und den jeweiligen Ausbruch zugeschnittene Maßnahmen.

Andernfalls, darin sind sich nahezu alle einig, droht endgültig die multiple Krise. Viele Unternehmen und Selbstständige haben ihre Reserven längst aufgebraucht, die Einnahmen der öffentlichen Haushalte sind eingebrochen, die Sozialkassen leeren sich.

Immerhin wissen alle Beteiligten nun mehr über das Virus: zum Beispiel, dass es sich, die nötige Vorsicht vorausgesetzt, weniger im Alltag verbreitet, sondern eher auf Versammlungen und Feiern – oder dass es bis zu zehnmal tödlicher als die Grippe ist, aber Jüngere zumeist verschont.

Zudem gibt es erste gute Erfahrungen mit Therapien. Und: Die ersten Corona-Impfstoffe sind zugelassen, ab Anfang nächsten Jahres dürften sie in größeren Mengen verfügbar sein.

Entscheidend wird jenseits der Testergebnisse die Zahl der Menschen sein, die so schwer erkranken, dass sie ins Krankenhaus müssen oder gar versterben. Am Ende gilt es, mit so wenig Opfern wie nur möglich durch den Winter zu kommen und auch angesichts der beginnenden Grippewelle überfüllte Stationen zu vermeiden.

Damit dies gelingt, muss – neben möglichen lokalen Einschränkungen – überall wieder das stärker Beachtung finden, was doch längst bekannt ist: Abstand halten, Hände waschen, Maske tragen, Lüften und größere Ansammlungen vermeiden, so gut dies eben geht. Angesichts der wieder steigenden Gefahr für die Älteren und Schwachen ist dies nicht zu viel verlangt.

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