Leitartikel: Notwendiger Opferschutz

Gerald Müller über den langwierigen Ballstädt-Prozess.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Heilt die Zeit wirklich alle Wunden? Während der NSU-Prozess in München bald vier Jahre dauert, ist das Verfahren im Ballstädt-Prozess 14 Monate anhängig. Vergleichsweise gering, doch auch diese Spanne wirkt lang. Sehr lang.

Immerhin liegt das Ereignis, das die Grundlage für die Anklage bildet, schon drei Jahre zurück. Seit dieser Zeit leben die Opfer und ihre Familien mit den mutmaßlichen Tätern in einem Ort zusammen. Das ist für die Einheimischen schwer auszuhalten.

Die Vergangenheit hat bei ihnen Angst verursacht, die Gegenwart hat diese nicht vertrieben. Weil auch die Zukunft in der Auseinandersetzung mit rechtsextremer Gewalt ungewiss ist.

Der Zustand in Ballstädt offenbart dabei Tendenzen der Gesellschaft. in der einige wenige über das Verhalten und die Empfindungen von vielen entscheiden können. Muss es aber nicht die vordringlichste Aufgabe des Staates sein, insbesondere die Opfer zu schützen? Werden dabei wirklich alle Möglichkeiten ausgeschöpft?

Der Überfall von 2014 ist dabei ja längst keine Einzelaktion mehr von rechtsextremer Gewalt. Diese nimmt zu, die rechte Szene erstarkt trotz der NSU-Geschehnisse wieder. Und ein Teil des inneren Zirkels der Thüringer Neonazi-Szene sitzt im Ballstädt-Prozess auf der Anklagebank.

Wohl auch deshalb herrschen im Tat-Ort nach wie vor Unsicherheit und Angst. Schweigen statt reden ist die Devise, wenn der Überfall thematisiert wird. Selbst bei gewählten Funktionsträgern.

Nein, die Zeit heilt nicht alle Wunden.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.