Leitartikel: Patient lebt

Marco Alles über die Rettung des FC Rot-Weiß Erfurt.

Verglichen mit einem Patienten, hat der FC Rot-Weiß Erfurt die kritischen Tage auf der Intensivstation überstanden und ist dank unermüdlicher Rettungskräfte wiederbelebt worden. Die Erleichterung darüber ist groß. Auch wenn der Fußballverein in der Vergangenheit eine Menge falsch gemacht, viele Menschen enttäuscht und manchmal nur noch genervt hat; sein Sterben hätte weitaus mehr bedeutet als einen sportlichen Verlust.

Es wäre ein Offenbarungseid für die Thüringer Landeshauptstadt und deren Wirtschaft gewesen; aber auch eine Niederlage für den Insolvenzverwalter, der angetreten ist, den hoch verschuldeten Club zu sanieren.

Die Freude darüber, dass der Ball weiter durchs Steigerwaldstadion rollt, ändert nichts an der Fehlplanung: Mit 3,5 Millionen Euro war der Etat für den Gesamtverein viel zu hoch angesetzt. Selbst zu Drittliga-Zeiten, als noch eine Million aus den Fernsehtöpfen sprudelte, stellte diese Summe eine enorme Herausforderung dar.

Für den Patienten Rot-Weiß beginnen nun die schweren Schritte zurück ins (Fußball-)­Leben. Er muss dabei endlich lernen, sich mit den wirtschaftlichen Gegebenheiten zu arrangieren. Sicherlich ermöglicht eine Ausgliederung der Profiabteilung neue Einnahmemöglichkeiten. Doch Investoren sind keine Gönner. Sie verfolgen geschäftliche Ziele und verlangen für ihr Geld eine Gegenleistung; in Form von Beteiligungen, Vermarktungsrechten oder sportlichem Mitspracherecht.

So schön die Rettung für den FC Rot-Weiß und seine leidenschaftlichen Anhänger ist; erst die nächsten Monate werden zeigen, ob der Erfurter Club tatsächlich eine Zukunft hat.

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