Leitartikel: Robespierre von rechts

Martin Debes über die Radikalität von AfD-Landeschef Höcke

Björn Höcke ist nicht zufällig seit fast zwei Jahren die einzige Konstante in der Thüringer AfD, die sich von Anbeginn selbst zerlegte. Mit seiner Intelligenz und seiner rhetorischen Begabung überragt er alle anderen in seiner kleinen Landespartei.

Das Problem ist nur: Höcke, der Lehrer aus Hessen, der mit seiner Bilderbuch-Familie ins eichsfeldische Bilderbuch-Idyll zog, ist kein Konservativer und schon gar kein Bürgerlicher. Er ist ein Radikaler, ein Robes- pierre von rechts.

In schöner Regelmäßigkeit erzählt Höcke, dass das deutsche Volk, so wie er es definiert, dem Aussterben geweiht ist. Die Schuldigen sind, je nach Bedarf, Ausländer, Feministen, Muslime, Schwule, Transsexuelle, Linke, der Zeitgeist, die Medien.

Zu den Volksverrätern, der Lügenpresse und dem Untergang des Abendlandes ist es da nicht weit.

Mit seinem antiquierten Familienbild wirkt Höcke sogar für AfD-Verhältnisse aus der Zeit gefallen. Dass er bevorzugt rechtsäußeren Postillen Interviews gibt und mit Nazi-Nachbarn gut zurecht kommt, ergänzt das Bild.

Dabei ist Höcke kein Karrierist. Er meint es ernst. Sein Aufstieg ist Mittel zum Zweck, nicht umgekehrt. Er will Deutschland retten, mit der AfD als nationaler Erweckungsbewegung. Drunter macht es der Mann nicht.

Was er nicht sehen will, sind die inneren Widersprüche seines Handelns. Er lehnt Ideologien ab – und vertritt sie selbst. Er beklagt Ausgrenzung – und grenzt selbst aus. Er predigt Meinungsfreiheit – und schränkt sie in seiner Fraktion ein.

Höcke tut das, was er an der angeblich etablierten Politik am häufigsten beklagt. Er heuchelt.